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Erforschung und Aufarbeitung
Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten
Aus der deutschen Kolonialgeschichte resultiert eine besondere historische Verantwortung. Die Erforschung und Aufarbeitung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, der angemessene Umgang damit und ein partnerschaftlicher Dialog mit den Herkunftsgesellschaften ist der Bundesregierung daher ein besonderes Anliegen.
Ein Beitrag zu Versöhnung und Verständigung: Die Rückgabe der Wappensäule von Cape Cross an die Republik Namibia
Foto: Deutsches Historisches Museum / Thomas Bruns
Dialog in Respekt und Würde
Humboldt Forum soll Vorbild sein
Umgang mit Benin-Bronzen
Rückgaben setzen deutliches Signal
Umgang mit menschlichen Überresten
Erfassung und Digitalisierung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten
Förderung der Provenienzforschung
Informations- und Beratungsangebot von Bund und Ländern
Leitfäden des Deutschen Museumbundes
Weitere geförderte Projekte und Einrichtungen

In Deutschland gibt es viele Objekte in Museen und Sammlungen, deren Erwerb im Zusammenhang mit dem europäischen Kolonialismus stehen. Diese Objekte stammen nicht nur aus ehemaligen deutschen Kolonien, sondern kamen durch Handel oder Schenkungen auch aus anderen kolonialen Kontexten nach Deutschland.
Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten findet sich in fast allen Museumssparten. Nicht nur ethnologische, sondern auch naturkundliche, historische oder Heimatmuseen bewahren Objekte aus ehemaligen Kolonien in ihren Sammlungen.
Deutsche Kolonialgeschichte
Das Deutsche Reich besaß gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene Kolonien. Den Schwerpunkt bildeten die vier afrikanischen Kolonien Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Togo und Kamerun. Dazu kamen Kolonien in Nordostchina und der Südsee. 1914 waren die deutschen Kolonien das an Fläche drittgrößte Kolonialreich nach dem britischen und französischen Kolonialreich. Nach dem Ersten Weltkrieg trat Deutschland seine Kolonien gemäß dem Versailler Vertrag von 1919 ab.
Dialog in Respekt und Würde
Zur historischen Verantwortung der Bundesregierung gehört es, zu erforschen, wem die Objekte ursprünglich gehörten und auf welchem Weg sie nach Deutschland kamen. Im partnerschaftlichen Dialog mit den Herkunftsgesellschaften und den Herkunftsstaaten soll ein angemessener Umgang mit diesen Objekten sowie mit möglichen Rückgabeverlangen gefunden werden.
Humboldt Forum soll Vorbild sein
Bei der Aufarbeitung und Erforschung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten sollen die Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) im Berliner Humboldt Forum in Zukunft eine Vorreiterrolle übernehmen. Die SPK , die dort mit dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst vertreten ist, wird hier großen Sachverstand einbringen und kann auf zahlreiche abgeschlossene und laufende Projekte aufbauen. Die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und Mitgliedern von Herkunftsgesellschaften ist integraler Bestandteil des Ausstellungskonzeptes.
Zudem wurden in den vergangenen Jahren neue Stellen für die Provenienzforschung geschaffen. Diese Expertinnen und Experten erforschen auch die im Humboldt Forum ausgestellten Objekte.
Umgang mit Benin-Bronzen
Die Staatsministerin für Kultur und Medien, die Leitungen der deutschen Mitgliedsmuseen der „Benin Dialogue Group“, die Kulturministerinnen und Kulturminister der Länder, die Stadt Köln als Trägerin des Rautenstrauch-Joest-Museums sowie das Auswärtige Amt haben am 29. April 2021 eine gemeinsame Erklärung zum Umgang mit den in deutschen Museen und Einrichtungen befindlichen Benin-Bronzen verabschiedet.
Die Beteiligten verständigten sich auf umfassende Transparenz, künftige Kooperation und die grundsätzliche Bereitschaft zu substantiellen Rückgaben von Benin-Bronzen. Sie streben erste Rückgaben im Verlauf des Jahres 2022 an. Gespräche mit der nigerianischen Seite sollen auch dazu dienen, zu klären, wie Benin-Bronzen auch künftig in Deutschland gezeigt werden können. Viele weitere deutsche Einrichtungen haben sich mittlerweile der Erklärung angeschlossen.
Rückgaben setzen deutliches Signal
Die Bereitschaft zur Verständigung mit den Herkunftsländern und Herkunftsgesellschaften zeigt sich auch im Umgang mit offiziellen Rückgabeersuchen. Dies gilt zum Beispiel für die Rückgabe der symbolträchtigen Wappensäule von Cape Cross an die Republik Namibia. Sie war Teil der Sammlung des Deutschen Historischen Museums (DHM) und wurde dort seit 2006 in der Dauerausstellung präsentiert. Im Mai 2019 gaben Kulturstaatsministerin Grütters, der DHM -Präsident Raphael Gross und der Botschafter der Republik Namibia, Andreas Guibeb, die Rückgabeentscheidung des Kuratoriums des DHM bekannt.
Auch die bereits erfolgte Rückgabe der Familienbibel und Peitsche von Hendrik Witbooi, die 1902 durch eine Schenkung ins Linden-Museum Stuttgart gekommen waren, sind ein beispielgebendes Signal sowohl an die Herkunftsstaaten, als auch an die deutsche Museumslandschaft.
Umgang mit menschlichen Überresten
Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände vertreten gemeinsam die Überzeugung, dass menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten nicht in unsere Museen und Sammlungen gehören, sondern an die Herkunftsgesellschaften zurückzuführen sind. Deshalb hat der angemessene Umgang mit menschlichen Überresten höchste Priorität bei der Aufarbeitung des Sammlungsgutes.
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) fördert aktuell ein dreijähriges
Forschungsprojekt zu menschlichen Überresten aus Westafrika am Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin. Ziel ist es insbesondere, Rückführungen zu ermöglichen.
Erfassung und Digitalisierung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten
Aufgrund der Komplexität der anstehenden Herausforderungen haben Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände im März 2019 „Erste Eckpunkte zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ beschlossen. Zu deren zentralen Handlungsfeldern zählt die Digitalisierung der fraglichen Bestände, um sie der breiten Öffentlichkeit und auch möglichen Anspruchstellern aus den Herkunftsländern zugänglich zu machen. Hierfür wurde im Oktober 2020 eine Digitalisierungsstrategie beschlossen, welche die schrittweise Erfassung und digitale Veröffentlichung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten vorsieht. Dabei wird unter anderem ein zentraler Zugang zu digital erfasstem Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten durch die Deutsche Digitale Bibliothek geschaffen.
Förderung der Provenienzforschung
Aufgabe der Provenienzforschung ist es, die Herkunft, die Erwerbsumstände und den Weg, auf dem ein Kulturgut in eine Sammlung geraten ist, wissenschaftlich fundiert nachzuvollziehen. Die Erforschung der Provenienz von Beständen mit kolonialen Kontexten ist daher ein notwendiger Schritt, um einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Objekten zu finden. Dies geschieht idealerweise in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Herkunftsstaaten und -gesellschaften.
Seit 2019 fördert das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste die Provenienzforschung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Aufgabe des Zentrums ist es zum einen, die systematische Aufarbeitung der Provenienzen von Sammlungsbeständen und die damit verbundene Grundlagenforschung zu unterstützen. Zum anderen macht es die Forschungsergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich und trägt zur Vernetzung der internationalen Forschungsgemeinschaft bei.
Weitere Informationen finden Sie auf der
Webseite des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.
Informations- und Beratungsangebot von Bund und Ländern
Im August 2020 hat die „Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“ ihre Arbeit aufgenommen. Diese gibt Personen und Institutionen aus den Herkunftsstaaten und -gesellschaften die Möglichkeit, sich über Bestände von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland zu informieren. Darüber hinaus steht die Kontaktstelle auch hinsichtlich möglicher Rückführungen und Kooperationen beratend zur Seite.
Weitere Informationen finden Sie auf der 
Webseite der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland und auf der
Webseite der Kulturstiftung der Länder.
Leitfäden des Deutschen Museumbundes
Hilfestellung für die praktische museale Arbeit sowie den Umgang mit möglichen Rückgabeforderungen gibt der „Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“. Der Leitfaden soll Verantwortliche in den Museen für das Thema sensibilisieren und praktische Handlungsempfehlungen für deren Arbeit geben.
Die dritte und finale Fassung der Broschüre ist im Februar 2021 erschienen. Sie greift internationale Perspektiven, beispielsweise aus Alaska, Australien, Neuseeland und Tansania auf. Bereits die zweite Auflage des 2018 erstmals veröffentlichten Leitfadens entstand unter Beteiligung von Expertinnen und Experten aus verschiedenen Herkunftsstaaten.
Darüber hinaus hat der Deutsche Museumsbund bereits im Jahr 2013 den von der Kulturstaatsministerin geförderten Leitfaden „Empfehlungen zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen" herausgegeben. Im Juni 2021 ist eine Überarbeitung des Leitfadens erschienen.
Alle Leitfäden stehen auf der
Webseite des Deutschen Museumsbundes zum Herunterladen bereit.
Weitere geförderte Projekte und Einrichtungen
Zahlreiche weitere von BKM geförderte Einrichtungen tragen zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit bei. Das Deutsche Historische Museum zeigte 2016/17 die Wechselausstellung „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“. Zudem wurde in der aktuellen Dauerausstellung der Bereich zur deutschen Kolonialzeit grundlegend überarbeitet und um eine differenzierend-kritische Perspektive erweitert.
Das Bundesarchiv hat die Aktenbestände des Reichskolonialamtes fast vollständig digitalisiert und online gestellt. Sie können insbesondere auch für die Provenienzforschung zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten herangezogen werden.
Die Kulturstiftung des Bundes (KSB) fördert aktuell die „Initiative für Ethnologische Sammlungen“, in der es um die Entwicklung neuer Dauerausstellungen geht, die verstärkt auch die Position der Herkunftskulturen bei der Präsentation und Erforschung kolonialen Sammlungsguts zur Geltung bringen.
Weitere Informationen:
Bundesarchiv
Initiative für Ethnologische Sammlungen

Der Beitrag wurde zuletzt am 06. Oktober 2021 aktualisiert.
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