OTS0008, 8. Mai 2021, 09:00
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ÖGfE-Schmidt: Gerade die Jugend braucht eine starke Stimme in der Debatte zur Zukunft Europas
15.039 befragte Jugendliche mit nachhaltig positiver EU-Einstellung – EU wird als kompliziert empfunden – Umfragen
Wien (OTS) - „Seit Herbst 2014 untersucht die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik, wie speziell Jugendliche in Österreich der Europäischen Union gegenüberstehen. Der heurige Europatag und der gleichzeitige Beginn der Konferenz zur Zukunft Europas bieten Gelegenheit, einige Trends in ihrem Meinungsbild aufzuzeigen. Die Ergebnisse aus sechs Umfrageserien mit insgesamt über 15.000 Befragten ab 14 Jahren zeigen klar: Die EU-Mitgliedschaft Österreichs wird gerade von der Jugend positiv gesehen, wenn auch die Union vielen als komplex erscheint. Die EU sollte dies zum Anlass nehmen, ganz besonders junge Menschen in die Zukunftsdebatte miteinzubeziehen. Schließlich geht es um ihre Zukunft und ihre Lebenschancen in einem Europa nach Corona“, analysiert Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), die Resultate von sechs ÖGfE-Jugendumfragen im Zeitraum September 2014 bis März 2020. Befragt wurden dabei insgesamt 15.039 Jugendliche an 267 Schulen (AHS, Berufs- und Fachschulen, BHS) schriftlich im Rahmen eines Schuljahres. Corona-bedingt konnte 2020/21 keine Schulbefragung durchgeführt werden.
Eine Analyse der aggregierten Ergebnisse zeigt, dass die EU-Mitgliedschaft von Jugendlichen überwiegend positiv gesehen wird - eine Tendenz, die sich im Zeitverlauf noch verstärkt. Gaben im Schuljahr 2014/15 noch 61 Prozent an, dass die EU-Mitgliedschaft eine „gute Sache“ ist, so steigt dieser Wert auf 81 Prozent im Schuljahr 2019/20. Explizit als „schlechte Sache“ gewertet wurde die Mitgliedschaft in der EU anfangs von 10 Prozent, dieser Wert ist mit den Jahren auf 3 Prozent gesunken. Ebenso ist die Zahl jener, die sich kein Urteil über die Mitgliedschaft bilden können, deutlich rückläufig.
Etwa acht von zehn Befragten fühlen sich auch als EU-Bürgerin oder EU-Bürger. Ein Meinungsbild, das sich dabei über die Jahre als recht konstant erweist. Die Zahl jener, die dies nicht so empfindet, beträgt ein knappes Fünftel.
Dessen ungeachtet ist das Interesse Jugendlicher am europapolitischen Geschehen ausbaufähig. Im 6-Jahres-Durchschnitt geben nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) an, sich für europäische politische Entwicklungen zu interessieren, 45 Prozent verneinen dies. Das Interesse an der heimischen Politik ist ungleich höher: Drei Viertel zeigen daran Interesse, ein Viertel ist desinteressiert. Seit Beginn der Befragungen im Herbst 2014 zeigen sich hierbei zwar einzelne Schwankungen des Meinungsbildes, die grundlegende Tendenz bleibt jedoch bestehen.
Alter, Schultyp und Geschlecht der Jugendlichen haben Einfluss darauf, wie positiv bzw. negativ die EU gesehen wird: Je jünger die Befragten, desto positiver ist ihre EU-Einstellung. Männliche, ältere sowie Befragte aus Berufs-/Fachschule sehen sich etwas häufiger nicht als EU-Bürgerin oder -Bürger. Im Vergleich zu Jugendlichen aus AHS und BHS zeigen Befragte aus Berufs- und Fachschulen auch weniger Interesse am Politikgeschehen in der EU.
Eine Mehrheit der Jugendlichen spricht sich dafür aus, dass künftig eher gemeinsam auf europäischer Ebene entschieden wird, als einzeln auf nationalstaatlicher Basis. Dies zeigen Daten aus den letzten drei Befragungsjahren (Herbst 2017 bis Frühjahr 2020)*. Die Zahl jener, die sich für ein Mehr an europäischer Entscheidungsfindung aussprach, stieg in diesem Zeitraum von 62 auf 70 Prozent, während der Anteil jener, die für eine stärkere Kompetenz der Nationalstaaten plädierten, im gleichen Ausmaß zurückging.
Die aktuellsten Umfragedaten vom Herbst 2018 bis Frühjahr 2020** machen deutlich, dass gerade jene Themen, die beim künftigen Wiederaufbau der EU eine prominente Rolle spielen werden, auch bei den befragten Jugendlichen verstärkt in den Fokus gerückt sind. Top-Priorität der Jugend ist der Klima- und Umweltschutz: Im Zeitraum 2018 bis 2020 stieg die Zahl jener, die angaben, dass sich die EU künftig vermehrt um dieses Thema kümmern sollte, von 69 auf 80 Prozent. An zweiter Stelle rangiert mit 69 Prozent der Wunsch, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern - ein Plus von 7 Prozentpunkten. An dritter Position (63 Prozent) liegen ein stärkerer Einsatz für die Menschenrechte (plus 8 Prozentpunkte) und ein gemeinsamer Ansatz beim Umgang mit Asyl und Migration (+ 1 Prozentpunkt) gleichauf. Der Anteil jener, die sich von der EU mehr Engagement im Bereich der Digitalisierung wünschen, erhöhte sich von 23 auf 33 Prozent.
Eines hat sich im Zeitverlauf der ÖGfE-Jugendumfragen jedoch kaum geändert. Wurde die Europäische Union von Jugendlichen im Schuljahr 2014/15 zu 77 Prozent als kompliziert bezeichnet, so waren es in den letzten Vor-Corona-Semestern 2019/20 mit 76 Prozent fast ebenso viele.
„Gerade die Jugend ist von den aktuellen Krisen besonders betroffen. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie werden noch lange zu spüren sein und die Lebenschancen jener, die heute in Home-Schooling oder auf der Suche nach Praktika bzw. einer ersten Arbeit sind, weiter beeinträchtigen. Dazu kommt die Klimaherausforderung, deren Bewältigung dringlicher ist denn je“, so Schmidt. „Die Jugend muss daher bei der am 9. Mai startenden EU-Zukunftsdebatte verstärkt gehört werden und mitentscheiden können. Denn ohne ihren Beitrag kann die Weiterentwicklung der Europäischen Union nicht gelingen.“
Hintergrund: Die aggregierte Darstellung der Ergebnisse basiert auf österreichweiten Umfragen unter 15.039 Jugendlichen im Rahmen der Wanderausstellung sowie Berufsschultour „EUROPA#wasistjetzt“. Die Umfragen fanden in sechs Serien beginnend mit dem Schuljahr 2014/15 und endend mit dem Schuljahr 2019/20 statt. Die Befragungen wurden in schriftlicher Form an insgesamt 267 AHS, BHS, Berufs- und Fachschulen in ganz Österreich durchgeführt.
*Sample (2017-2020): 8550 Befragte | 145 Schulen. ** Sample (2018-2020): 5382 Befragte | 96 Schulen
Die Detailergebnisse der einzelnen Umfragen sind auf https://www.oegfe.at/category/umfragen/ abzurufen.
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Mag. Paul Schmidt
Österreichische Gesellschaft für Europapolitik
E-Mail: paul.schmidt@oegfe.at
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