GASTKOMMENTAR
Der Arbeitsmarkt war schon vor Corona krank
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Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich seit dem Jahr 2012 verdoppelt. Die Regierung sollte den Exit aus der teuren Kurzarbeit planen.
vom 19.09.2020, 07:00 Uhr | Update: 25.09.2020, 17:08 Uhr
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Dénes Kucsera
Die Corona-Krise hat den heimischen Arbeitsmarkt ordentlich durcheinandergewirbelt. Um es in den Farben der viel diskutierten Ampel zu sagen: Der Arbeitsmarkt leuchtet orange, bestenfalls gelb. Bei den düsteren Prognosen wird sich im Herbst nicht nur die Farbe verdunkeln, wird dann doch die Zahl der Arbeitslosen im Zuge der heranrollenden Pleitewelle nach oben schnellen.
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Verschärft wird die Problematik durch die lange Dauer der Kurzarbeit. Denn so steigt die Gefahr, dass Menschen in Jobs gehalten werden, die nur künstlich existieren. Ohne öffentliche Unterstützung wären viele Unternehmen und damit auch tausende Arbeitsplätze längst der Pandemie zum Opfer gefallen. Man spricht von sogenannten Zombie-Unternehmen. Betriebe, die wirtschaftlich de facto tot sind, werden künstlich am Leben erhalten. Ihre Einnahmen sind geringer als ihre laufenden Kosten. Geldmittel, die Zombie-Unternehmen erhalten, stehen anderen nicht zur Verfügung.
Dass die Zombies momentan ordentlich Geld vom Staat einhamstern, kann weitreichende Folgen haben. Denn eine lange Zeitspanne in Kurzarbeit hat ähnliche Effekte wie lange Arbeitslosigkeit: Mit Dauer der Arbeitslosigkeit sinkt die Wahrscheinlichkeit, einen neuen Job zu finden; lange Phasen ohne Beruf gelten vielen Arbeitgebern als negatives Signal. Zudem müssen Arbeitslose in Österreich immer länger nach einem Job suchen. Per Ende August war ein Arbeitsloser im Österreich-Schnitt 248 Tage ohne Beschäftigung. Damit ist dieser Wert im Vergleich zum August 2019 um 29 Tage angestiegen. Und dieser Wert wird noch weiter steigen, denn die Aussichten sind alles andere als rosig. Vor mehr als einer halben Million Arbeitslosen im Herbst wird bereits jetzt gewarnt. Die saisonale Arbeitslosigkeit auf dem Bau und in der Hotellerie tun ihr Übriges.
Ein detaillierter Blick in die Arbeitsmarktstatistik offenbart das derzeit wohl größte Problem. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich seit dem Jahr 2012 verdoppelt. Dabei handelt es sich um Personen, die länger als ein Jahr auf Jobsuche sind. Zudem passen Angebot und Nachfrage nicht zueinander: Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist zunehmend von strukturellen Problemen geprägt. Die freien Stellen werden oft in Regionen angeboten, in denen die passenden Arbeitskräfte fehlen. Österreichs Arbeitsmarkt hatte schon vor Corona trotz guter Konjunktur unter vielen Problemen zu leiden.
Um nicht noch größeren Schaden anzurichten, sollte die Regierung den Exit aus der teuren Kurzarbeit planen, um zu verhindern, dass nicht mehr zu rettende Jobs mit öffentlichem Geld künstlich am Leben erhalten werden. Zielführender wäre es, durch entsprechende Anreize - etwa einen zeitlich befristeten Verzicht auf Lohnnebenkosten - die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu fördern. Die Kurzarbeit sollte nur vorübergehend eingesetzt werden, weil sie mit Fortdauer der Zeit zu schweren Verwerfungen führt und die Verlockungen für Unternehmen erhöht, ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, obwohl sie das nicht müssten.
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