GASTKOMMENTAR
Arbeit neu denken
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Österreichs Arbeitsmarktpolitik braucht Erneuerung und Veränderung statt Retropolitik.
vom 16.07.2021, 16:48 Uhr | Update: 16.07.2021, 16:53 Uhr
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Carina Altreiter
Jörg Flecker
Obwohl die türkise Volkspartei unter Bundeskanzler Sebastian Kurz sich von Beginn an das Leitmotiv der politischen Erneuerung und Veränderung an die Fahnen geheftet hat, macht sie in Wahrheit Retropolitik - ziemlich konservativ und ziemlich autoritär. Das zeigt sich insbesondere in der Arbeitsmarktpolitik.
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Carina Altreiter ist Post-Doc Researcher an der Wirtschaftsuniversität Wien und Vorstandsmitglied bei "Diskurs. Das Wissenschaftsnetz". - © Williams Lösch
Nachdem das vorzeitige Ende der türkis-blauen Bundesregierung eine Reform des Arbeitslosengeldes verhindert hat, scheint es, als hätte die türkise Regierungsmannschaft nur auf die erste Entspannung auf dem Arbeitsmarkt nach der Corona-Pandemie gewartet, um wieder ihre alten Themen aufzugreifen. Arbeitsminister Martin Kocher (als Parteiloser von der ÖVP in die Regierung geholt) läutet diese neue Phase mit der Anordnung an das AMS ein, die Vermittlung auf den Arbeitsmarkt zu priorisieren und diese auch mit Hilfe von "Sanktionen sicherzustellen".
Jörg Flecker ist Professor für Allgemeine Soziologie an der Universität Wien und Vorsitzender des Vereins "Diskurs. Das Wissenschaftsnetz". - © Walter Skokanitsch Fotografie
Es entspricht dem autoritären Geist der Bundesregierung, ein Stimmungsbild zu erzeugen, das vor allem dazu dient, die Gesellschaft zu spalten. Wenn die Mehrheit den Eindruck hat, dass sich einige auf Kosten der anderen ein schönes Leben machen, werden härtere Strafen und Kürzungen eher befürwortet - egal, ob einen das letztendlich auch selbst treffen könnte.
Faktum ist aber, dass die Verweigerung einer Arbeitsstelle nur mit 21 Prozent der Sanktionen zu tun hatte, die das AMS im Jahr 2020 ausgesprochen hat. 30 Prozent machte die Wartefrist nach Selbstkündigung aus, und jeweils rund ein Viertel waren auf versäumte Kontrolltermine oder die Nichtteilnahme an Kursen zurückzuführen. Und auch unter den 21 Prozent wird es viele Fälle gegeben haben, in denen die Arbeitsaufnahme aus guten Gründen abgelehnt wurde. Die suggerierte verbreitete Arbeitsverweigerung beziehungsweise fehlende "Motivation", wie der Arbeitsminister es nennt, ist eine autoritäre Fantasie. Strukturelle Probleme bestimmter Branchen, wie in der Gastronomie oder im Tourismus, sollen über Zwang in der Arbeitsvermittlung gelöst werden. Die Ankündigung einer grundlegenden Reform des Arbeitslosengeldes lässt vor diesem Hintergrund nichts Gutes für die Betroffenen hoffen.
Die türkis-grüne Bundesregierung hätte die Chance, Lehren aus der Krise zu ziehen und anstatt einer Retropolitik neue Wege in der Arbeitsmarktpolitik einzuschlagen. Die Kurzarbeit ist eine österreichische Erfolgsgeschichte, die zum Anlass genommen werden könnte, die Arbeitszeit neu zu gestalten. Denn die Herausforderungen der Zukunft - von den geänderten Bedürfnissen der Beschäftigten über die Klimakrise bis hin zur wachsenden sozialen Ungleichheit - machen deutliche Veränderungen bei der Gestaltung und Organisation von Arbeit beziehungsweise Arbeitszeiten notwendig. Mit einer Umverteilung von Arbeit bringt man nicht nur mehr Menschen in Beschäftigung, sondern entlastet auch gleichzeitig andere. So wünschen sich Menschen mit Kinderbetreuungsverpflichtungen deutlich kürzere Arbeitszeiten. Zum Beispiel wäre die Einführung einer Vier-Tage-Woche tatsächlich eine zukunftsorientierte Erneuerung und Veränderung.
Schlagworte
Gastkommentar​Arbeitsmarkt​AMS​Kurzarbeit​Wirtschaft​ÖVP​Corona-Krise
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7 Kommentare
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kkika
21.07.2021, 17:04 Uhr
Die Schwürkisgrünen werden natürlich nie zugeben, dass max. 21 % eine Arbeitsstelle abgelehnt haben - da würdens ja zugeben müssen, dass ihre Arbeitspolitik total falsch ist; wobei Politik das falsche Wort ist - Unfähigkeit würde es eher treffen.
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Dac
17.07.2021, 11:26 Uhr
Soviel Blödsinn, wie in Ihrem Kommentar habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
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wartl
17.07.2021, 14:51 Uhr
Was soll da ein Blödsinn sein?
Blödsinn ist eher das, was von Anhängern der neoliberalen Dogmen verzapft wird.
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Harro17.07.2021, 08:24 Uhr
Bitte auch um Vorschläge wie die 4 Tage-Woche ohne Verteuerungen umsetzbar sein wird und eine Erklärung für das Unverhältnis der Rekordzahl an offenen Stellen zu Arbeitslosenzahlen.
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wartl
17.07.2021, 14:46 Uhr
Verteuerungen sind davon unabhängig und kamen auch so - etwa im Gastgewerbe.
Offene Stellen gibt es dort, wo Bezahlung und Arbeitsbedingungen schlecht sind. Eine Journalistin (eines andern Blattes) hat sich undercover in der Bäckerbranche beworben und dann über ihre Erfahrungen eine Reportage verfasst.
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wartl
16.07.2021, 21:30 Uhr
Die "Erneuerung" war nur ein Werbegag. Es ging Kurz & Co immmer nur um die möglichst weitgehende Durchsetzung einer reaktionären Politik, die vordergründig an der Themensetzung der Rinnsteinblätter und im Kern an den Interessen der Geldgeber der Wahlkämpfe orientiert war. … mehr
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kkika
21.07.2021, 17:06 Uhr
Die Spendenbosse müsse mit viel Geld befriedigt werden und am Beaten geht das durch Drangsalieren der Armen und Ärmsten, denn die können sich am wenigsten wehren.
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