GASTKOMMENTAR
Fachlicher Kräftemangel
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Ein respektvolles Miteinander, Zusammenarbeit und Innovation brauchen nicht nur einzelne Unternehmen, sondern der gesamte Wirtschaftsstandort.
vom 05.10.2021, 14:49 Uhr | Update: 05.10.2021, 14:58 Uhr
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Sabine M. Fischer
2014 arbeitet einer der bis dahin erfolgreichsten Konzerne der Welt am Markt vorbei, der Aktienkurs liegt bei 27 Euro: Microsoft ist in interne Machtkämpfe verstrickt und hat den Kontakt zur Kundschaft verloren. 2021 beträgt der Aktienkurs 228 Euro, und Microsoft ist weltweit das zweitwertvollste Unternehmen, gleich hinter Apple. Was war passiert? Welche Technologie hat den Turnaround gebracht?
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Sabine M. Fischer, Inhaberin von Symfony Consulting, ist Wirtschaftspädagogin und Unternehmensberaterin in Wien. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises Industrie 4.0/IoT und Aufsichtsratsvorsitzende des Verbandes Österreichischer Wirtschaftsakademiker. - © privat
Der neue CEO Sataya Nadella forderte und förderte Empathie und Vertrauen zwischen allen Hierarchien: Gutes Konfliktmanagement, bei dem Neugierde belohnt und Fehler offen besprochen wurden, in Kombination mit Nadellas persönlicher Vorbildwirkung begründeten den Wiederaufstieg von Microsoft. Kurz: Der Grundstein für den Erfolg lag im Fokussieren von Rahmenbedingungen für respektvolles Zusammenarbeiten der Mitarbeitenden.
In Österreich gibt es für den Fachkräftemangel 2021 noch genau dieselben "Lösungen" wie anno 2014: Gefordert wird für mehr Menschen eine höherwertige Ausbildung und dass in den Mangelberufen nicht hauptsächlich in Teilzeit gearbeitet wird. Weiterhin werden Menschen aus dem Ausland nach Österreich "gelockt und gekarrt" (Zitat einer Pflegefachkraft). Mit Zahlen wird jongliert, als müsste man nur einen Schalter umlegen, wie etwa das Arbeitslosenentgelt verringern, und schon stünden tausende Arbeitsfähige zur Verfügung.
Dabei zeigen Studien für eine freie Gesellschaft des 21. Jahrhunderts groteske Arbeitsbedingungen in Mangelberufen. Noch immer herrscht vielfach, vor allem in der Politik und folgerichtig in den meisten Ministerien, Behörden, Spitälern und Schulen, eine "Ober sticht Unter"-Sicht auf Mitarbeitende im Allgemeinen und auch auf die so dringend gesuchten Fachkräfte im Speziellen. Regelmäßig geben Beschäftigte auf, weil sie es nicht mehr aushalten, ihr Fachwissen in überalterten (hierarchischen) Strukturen permanent verdrängen und zugleich unwürdiges Kommunikationsverhalten ertragen zu müssen.
"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" ist der biblische Hinweis darauf, dass auch emotional-psychische Bedürfnisse erfüllt werden müssen, damit langfristig Leistung erbracht werden kann. Im Sport bewundern alle die mentale Stärke der Sieger - aber auch diese wird regelmäßig und sorgsam trainiert: einerseits durch intensive menschliche Betreuung und andererseits durch motivierende Trainingsabläufe. Davon können Kinder in öffentlichen Betreuungseinrichtungen und Schulen ebenso nur träumen wie viele Berufstätige am Arbeitsplatz.
Wir befinden uns in einem harten globalen Technologiewettbewerb, der nur gemeinsam mit den Menschen gewonnen werden kann. Daher ist es höchste Zeit, dass Politik und Staat einen menschenorientierten Kulturwandel à la Microsoft einläuten. Und höchstwahrscheinlich bringen uns mehr Zeit für Beziehungsarbeit, Transparenz und Respekt auch mehr Erfolg bei Anti-Corona- und Klimaschutzmaßnahmen.
Schlagworte
Gastkommentar​Wirtschaft​Fachkräftemangel​Arbeit​Wirtschaftsstandort
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wartl
05.10.2021, 19:34 Uhr
Wie wahr!
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