GASTKOMMENTAR
Die Einsamkeit Israels
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vom 17.04.2018, 15:52 Uhr | Update: 17.04.2018, 16:19 Uhr
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Arno Tausch
Hätte 1938 der Staat Israel bereits bestanden, hätten damals mehr als 64.000 österreichische Juden und insgesamt sechs Millionen Juden gerettet werden können. Leben wir wenigstens jetzt Solidarität mit dem jüdischen Staat, wenn es in Österreich 1938 so viele Täter, so viele Mitläufer, so viele Wegschauer und so wenig Gerechte gab. 24.969 Israelis fielen ab 1920 im Kampf für ihr Land, 36.260 wurden verwundet. Seit 1948 wurden 3791 Israelis Opfer von palästinensischem Terrors.
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Israel, der jüdische Staat, gegründet nach der Shoah, wird heute gängigen internationalen Meinungsumfragen zufolge nur noch wenig unterstützt. So zeigt eine Auswertung der jüngsten verfügbaren Daten des Washingtoner Pew Research Center aus dem Jahr 2013, dass in Frankreich, Großbritannien, Tschechien, Polen und Deutschland nur noch ein Drittel der Bevölkerung eine positive oder sehr positive Meinung von Israel hat, in Italien und Spanien ist es nur noch ein Viertel.
Zum Autor: Arno Tausch ist Dozent an der Universität Innsbruck und der Corvinus Universität Budapest. Im Sommer erscheint sein Buch "Islamism, Arab Spring and the Future of Democracy" (mit Koautoren) bei Springer in New York.

Nachlese:

Ein einzigartiges Land mit einzigartigen Problemen: Vor 70 Jahren wurde der Staat Israel gegründet.

Peter Menasse: Israel entstand in Österreich.
Aufgeschlüsselt nach Parteipräferenzen lässt sich sagen, dass die Parteigänger der europäischen Linksparteien noch negativer über den Staat Israel denken als der nationale Durchschnitt und dass Christdemokraten, Konservative und Liberale noch die verlässlichsten Unterstützer Israels sind. Der "BBC World Poll" für 2015 lässt den Schluss zu, dass insgesamt nur noch 23 Prozent der Weltbevölkerung Israel unterstützen, während 41 Prozent den jüdischen Staat ablehnen. Die restlichen 36 Prozent stehen Israel gleichgültig gegenüber. Für Israel ist ein Hoffnungsschimmer, dass in Russland, Indien und China noch überraschend positivere Tendenzen zum Tragen kommen.
Es lässt sich auch nicht leugnen, dass die Länderwerte der Ablehnung Israels statistisch sehr stark mit dem global wachsenden Antisemitismus zusammenhängen, der heute bereits für mehr als 100 Staaten dokumentiert ist. Die hässliche Fratze des Antisemitismus ist mit der ebenso hässlichen Fratze des Antizionismus austauschbar.
Nahost-Konflikt verdeckt größere Probleme der Region
Eine nüchterne Bilanzierung der Menschenrechtsperformance der Region legt nahe, dass Israel und die Konflikte, die unter dem Stichwort Nahost-Konflikt zusammengefasst werden, gar nicht das prinzipielle Problem der Region sind. Vielmehr geht es darum, dass die arabische Welt nach dem "arabischen Sozialismus", dem Neoliberalismus, der Krise der 1990er Jahre, der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts und dem "Arabischen Frühling" nun zu Demokratie, Marktwirtschaft und wissensbasiertem und ökologisch nachhaltigem Wachstum findet.
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Gastkommentar​Israel​Nahost-Konflikt​Ungleichheit​Muslime​Palästinenser​Jassir Arafat
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1 Kommentare
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Franz Sölkner
20.04.2018, 15:14 Uhr
Dass ein an sich renommierter Politologe wie Arno Tausch, die historische und aktuelle reale Dynamik des Konflikts zwischen dem jüdischen und dem palästinensischen Volk so wenig versteht, ist tragisch. Ja, Israel hatte nach seiner Staatsgründung in Europa hohe Sympathiewerte. … mehr
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