GASTKOMMENTAR
Die Einsamkeit Israels
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vom 17.04.2018, 15:52 Uhr | Update: 17.04.2018, 16:19 Uhr
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Arno Tausch
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Die Obsession vieler Beobachter für den Nahost-Konflikt verblendet den Blick darauf, dass ab 1948 nicht weniger als elf Millionen Muslime weltweit Opfer ihrer eigenen Regimes wurden. Die langfristigen Entwicklungsleistungen dieses kleinen Staates, der mit Demokratie und einer gemischten Wirtschaft das erreichte, wovon andere Länder der Region nur träumen können, werden selten gebührend gewürdigt.
Größter muslimischer Anteil in einer westlichen Demokratie
Die 1948 in Israel verbliebenen 150.000 Araber sind heute zur größten muslimischen Minderheit in allen westlichen Demokratien gewachsen und haben einen Anteil von 21 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes, also mehr als 1,8 Millionen Menschen. Ethnische Säuberungen, Demozid, Apartheid etc. sehen wahrlich anders aus.
Der Diskurs von der Nakba unterschlägt auch, dass nicht weniger als 850.000 Juden seit der Gründung des Staates Israel ihre arabischen Heimatländer verlassen mussten. Kaum jemand im Westen spricht von ihrem Schicksal, kaum jemand ist sich ihrer realen Lage bewusst, die sie vor ihrer Aliyah nach Israel zu Hause in der islamischen Welt erdulden mussten. In seiner Unabhängigkeitserklärung von 1948 verpflichtete sich Israel dazu, "Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden, wie von den Propheten Israels vorgesehen, zu gewährleisten", ebenso "die Gleichheit der sozialen und politischen Rechte für alle seine Einwohner, unabhängig von Religion, Rasse oder Geschlecht".
Seit dem Eintritt Israels in die Gebiete der Westbank und nach Gaza im Jahr 1967 hat sich die dortige palästinensisch-arabische Bevölkerung von 954.898 auf 4.654.421 erhöht. Dies entspricht einem Anstieg von 387 Prozent. In diesem Zusammenhang ist die palästinensische Lebenserwartung in Westbank und Gaza von 68,5 im Jahr 1990 auf 72,9 im Jahr 2014 gestiegen.
Laut einer Sonderauswertung der Israel-Umfragen des "European Social Survey 2016" haben bereits 43 Prozent der jüdischen Bewohner Israels ihre Familienwurzeln in der muslimischen Welt (also in den arabischen Ländern, im Iran, in Usbekistan oder in der Türkei). Sie und ihre Familien wissen zu gut, was es leider oft auch heißen kann, "Schutzbefohlene" (Dhimini) in diesem Teil der Welt zu sein. Nur noch 24 Prozent der jüdischen Bewohner Israels haben ihre Wurzeln in der EU-28 und nur 21 Prozent in der ehemaligen UdSSR (Rest der Welt: 12 Prozent).
Wie Arafat in Camp David den Frieden verspielte
Israels Premier Ehud Barak bot im Jahr 2000 endgültig der palästinensischen Seite den Frieden an. Jassir Arafat lehnte ab. Was er in Camp David damit verspielte: einen palästinensischen Staat im größten Teil der Westbank und im gesamten Gazastreifen; die Rückkehr von etwa 100.000 Flüchtlingen des Jahres 1948; eine großzügige finanzielle Entschädigung der Flüchtlinge von 1948; die Kontrolle der Vorstädte im Norden und Süden Jerusalems; ein Verwaltungszentrum in Beit Hanina-Shuafat in Ost-Jerusalem sowie eine palästinensische, arabische, islamische und christliche Verwaltung der heiligen Stätte in der Altstadt von Jerusalem.
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Gastkommentar​Israel​Nahost-Konflikt​Ungleichheit​Muslime​Palästinenser​Jassir Arafat
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1 Kommentare
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Franz Sölkner
20.04.2018, 15:14 Uhr
Dass ein an sich renommierter Politologe wie Arno Tausch, die historische und aktuelle reale Dynamik des Konflikts zwischen dem jüdischen und dem palästinensischen Volk so wenig versteht, ist tragisch. Ja, Israel hatte nach seiner Staatsgründung in Europa hohe Sympathiewerte. … mehr
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