GASTKOMMENTAR
Die Einsamkeit Israels
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vom 17.04.2018, 15:52 Uhr | Update: 17.04.2018, 16:19 Uhr
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Arno Tausch
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Arafat hätte die sofortige Kontrolle von 73 Prozent der Landfläche der Westbank und des gesamten Gazastreifens sowie perspektivisch 90 Prozent der Fläche des Westjordanlandes sowie auch genaue Bestimmungen über Verkehrsverbindungen und die Zukunft der israelischen Siedlungen haben können. Er wählte aber den Weg der Konfrontation. Alle Beteiligten leiden heute unter dieser Fehlentscheidung, weil Hass und das Bedürfnis nach brennenden israelischen Fahnen offensichtlich stärker sind als die Vernunft.
Eine Art Silicon Valley am östlichen Mittelmeer
Trotz widriger äußerer Bedingungen ist Israel - und das ist die sozioökonomische Grundaussage - so etwas wie ein Silicon Valley am östlichen Mittelmeer. Die markanten 10- und 30-jährigen Zyklen, die laut Zeitreihenanalyse (Spektralanalyse) der Weltbank-Daten Israels Wirtschaft markieren, zeigen vor allem auch an, dass das Land weiterhin große Wachstumspotenziale hat. Die ganze Region könnte bei der Annahme eines Friedens von diesem Potenzial profitieren. Auch Österreichs Wirtschaft tut gut daran, es zu nutzen.
Die frei zugängliche Datenbank der Weltbank zeigt, dass Israel mit der weltweit höchsten Forscherquote (8255 pro 1 Million Einwohner; Nahost/Nordafrika: nur 631) ein Modell für die friedliche Entwicklung der Region sein könnte, von dem insbesondere die arabische Welt nur lernen kann.
Die international wachsende Disziplin der Bibliometrie liefert wichtige Erkenntnisse über die wirklichen Dimensionen des Nahost-Konflikts, die in den Israel-kritischen Medien Europas leider kaum beleuchtet werden. Der frei zugängliche israelische Bibliotheken-Verbundkatalog ULI zeigt einerseits für alle Wissensgebiete, wie sehr Israel heute an der wissenschaftlich-technischen Entwicklung der Welt beteiligt ist. Andererseits liefern der Arabische Bibliotheksverbundkatalog Aruc, der ägyptische Unionskatalog ELN, der algerische Katalog CCDZ und der globale Bibliotheksverbund Worldcat interessante Vergleiche für die in der arabischen Welt noch aufzubauende Hochschulbildung.
In den Ländern des "tiefen Arabiens", die vom arabischen Aruc-Katalog erfasst werden, sind sage und schreibe nur acht (!) Bücher katalogisiert, die von einer University Press publiziert wurden, in Israel sind es 376.629. Dafür dürfen nicht nur die Studierenden, sondern auch die Regierungsbürokratien, deren Bibliotheken im Aruc integriert sind, die infamen antisemitischen und antifreimaurerischen "Protocols of the Elders of Zion" in 203 Editionen lesen.
Ungleichheit droht Israels Gesellschaft zu destabilisieren
Der direkteste Test des Erfolges einer Gesellschaft ist wohl die Antwort auf die Frage, ob die Menschen zufrieden mit ihrem Leben sind. Die Daten des "European Social Survey" gestatten der internationalen Sozialforschung, diese Frage sowohl für die jüdische als auch für die muslimische Bevölkerung Israels zu beantworten. Die durchschnittliche Lebenszufriedenheit der Muslime in Israel liegt - unter Zuhilfenahme der jüngsten Daten des "World Values Survey" - über jener der Muslime in Ländern wie Ägypten, Algerien, Bosnien, Bulgarien, Iran, Jordanien, Libanon, Marokko, Russland, Serbien, Südafrika oder der Türkei. In den besetzten Gebiete im Westjordanland und in Gaza ist sie immerhin höher als etwa in Ägypten, Bosnien oder Tunesien.
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Gastkommentar​Israel​Nahost-Konflikt​Ungleichheit​Muslime​Palästinenser​Jassir Arafat
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1 Kommentare
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Franz Sölkner
20.04.2018, 15:14 Uhr
Dass ein an sich renommierter Politologe wie Arno Tausch, die historische und aktuelle reale Dynamik des Konflikts zwischen dem jüdischen und dem palästinensischen Volk so wenig versteht, ist tragisch. Ja, Israel hatte nach seiner Staatsgründung in Europa hohe Sympathiewerte. … mehr
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