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Auto-kratie
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Hoch sei er gepriesen, der Kanzler, denn er weiß, was zu tun ist!
vom 23.07.2021, 15:38 Uhr | Update: 26.07.2021, 11:38 Uhr
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Severin Groebner
Es ist Zeit, auch einmal zu loben. Unser aller Bundeskanzler Sebastian Kurz möchte in Mobilitätsfragen nicht zurück ins vorige Jahrhundert.
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Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Und da hat der Mann mit dem Charme eines Elektronikfachmarktsfilialleiters unumwunden recht. Denn das 20. Jahrhundert war unbestreitbar das Jahrhundert des Verbrennungsmotors und des Automobils. In den Städten wurden die Fußgänger in den Untergrund verbannt, mehrspurige Straßen neben oder durch historische Stadtkerne gezogen, Lebensqualität zugunsten einer heiligen Blechkuh geopfert. Das Land wurde von Autobahnen und Schnellstraßen zerschnitten und florierende Geschäfte in Ortszentren wurden von Großmärkten und Gewerbeparks in den Ruin getrieben, die nur mit dem Auto erreichbar waren. Zersiedelung, Feinstaubbelastung und tausende Verkehrstote sind nur drei von unzähligen erwähnenswerten Folgen einer Verkehrspolitik, die sich von der Fetischisierung des Automobils treiben ließ.
Wer angesichts des Klimawandels, der zusammen mit Dürre, Hitze, Ernteausfällen und Überschwemmungen daherkommt, glaubt, dass mit Automobilen und Verbrennungsmotoren Mobilität zu organisieren ist, hat - und da hat der Bundeskanzler ganz recht - nichts verstanden.
Der ist entweder in seiner phallischen Phantasie gefangen, die das Auto als Penisersatz feiert, oder ein unverantwortlicher CO2-Emittent, dem seine Kinder einfach egal sind. Oder er ist soziophober Paranoiker, der psychisch darauf angewiesen ist, sich in einem uterusartigen Faradayschen Käfig durch die Gesellschaft, die er zutiefst fürchtet, zu bewegen. Es könnte aber auch sein, dass er oder sie eine menschenhassende Dreckschleuder ist, die versucht, mit Schwermetall und Reifenabrieb seine Mitmenschen zu vergiften. Letzte und banalste Möglichkeit wäre natürlich, der Automobilverehrer oder die Automobilverehrerin steht auf der Lohnliste der Auto- und Erdölindustrie. Egal, es ist vorbei. Car is over.
Und wir können uns glücklich schätzen, dass wir einen Kanzler haben, der all das nicht ist, sondern die Zeichen der Zeit erkannt hat.
Freilich sollte er noch seine Umweltministerin überzeugen, die für die Überschwemmungen in Hallein eine Umweltinitiative verantwortlich macht. Wider alle Tatsachen. Haben doch die Feuerwehrleute vor Ort gesagt, dass es durch vom Wasser mitgerissene Pkw zu "Verklausungen" gekommen ist. Kurz gesagt: Autos haben den Ablauf des Bachs in Hallein verstopft. Deswegen ist das Wasser in die Innenstadt ausgewichen.
Ach, Autos! Dinger aus dem vorigen Jahrhundert, wie unser Kanzler sagen würde. Man sollte sie schleunigst loswerden.
Das weiß unser Kanzler natürlich. Denn er ist sehr schön und sehr schlau, und so manche Leute lieben ihn dafür.
Wir können erleichtert sein.
Man stelle sich nur vor, er hätte sich versprochen.
Und hätte mit dem "vorigen Jahrhundert" eigentlich das vorvorige, also das 19. gemeint. Das wär natürlich schlimm, denn dann würde das bedeuten, dass er geistig selbst noch im 20. Jahrhundert steckt. Ein Kanzler aus einer carbonsüchtigen Vergangenheit wäre. Und das wiederum wäre ein klares Indiz dafür, dass der Mann nicht weiß, wie viel es geschlagen hat.
Aber so ist das ja nicht.
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2 Kommentare
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Ilse Kleinschuster24.07.2021, 17:47 Uhr
Tja, und gab's da (im vorigen Jahrhundert) nicht so eine Art Sport , wo einige Meter vor einem Abgrund gemeinsam mit Autos losgefahrn wurde - und wer als letzter bremste, hatte gewonnen!
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wartl
23.07.2021, 16:02 Uhr
Eine geilomobile Vergangenheit tut es auch....
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