WIENER NETZE
Smart Meter kommt später, aber er kommt
146
Die Stromzähler werden bis 2024 in Wien getauscht. Datenschützer sehen das kritisch.
vom 29.07.2021, 17:10 Uhr | Update: 29.07.2021, 17:34 Uhr
Gerät
© Netz Obersterreich GmbH
14
Alexander U. Mathé
Redakteur
Die alten Stromzähler werden schon bald ausgedient haben. So viel ist sicher. Wer in seinem Heim also noch ein Gerät mit der sich drehenden Aluminiumscheibe hat, kann sich davon schon einmal geistig verabschieden. Stattdessen kommen sogenannte intelligente Messgeräte, auch bekannt als Smart Meter. Die sind digital und übermitteln per Funk die Verbrauchsdaten direkt an die Zentrale. Damit enden auch die jährlichen Besuche des Herren von der Stromgesellschaft.
Mehr zu diesem Thema
In Bagdad gehen die Lichter aus
10.08.2021 14 7
Hohe Gaspreise sorgen für Verunsicherung
22.09.2021 8 7
In Österreich hätten laut Verordnung aus dem Jahr 2012 bereits 2020 mindestens 80 Prozent aller Stromzählpunkte Smart Meter sein müssen. Davon ist man in Wien derzeit noch weit entfernt. Die Umstellung wurde erst bei gerade einmal einem Viertel der Zähler durchgeführt. Kritische Datenschützer dürften darüber nicht unglücklich sein. Sie fürchten einen Missbrauch mit den abgegriffenen Stromdaten. Doch die Schlagzahl der Wiener Netze dürfte demnächst erhöht werden. Schließlich wird am 11. August die Neufassung der Intelligente-Messgeräte-Einführungsverordnung (IME-VO) verabschiedet. Der Entwurf dazu sieht eine Fristerstreckung für die Umstellung bis zum Jahr 2024 vor.
Smart Meter sollen helfen, den Stromverbrauch zu reduzieren und die Netze stabiler zu machen. Durch tägliche Messung - oder gar im Viertelstundentakt - wissen die Energieversorger genau, wann und wo gerade wie viel Strom benötigt wird, und können sich dementsprechend ihre Ressourcen einteilen. Ebenso erleichtert es die Abrechnung bei Menschen, die nicht nur Strom verbrauchen, sondern auch selbst welchen ins Netz speisen - beispielsweise mit ihrer Solaranlage, wenn diese gerade mehr Strom produziert, als der Haushalt benötigt. Die Smart Meter haben zudem das Potenzial, die Stromverbraucher zu erziehen. Denn via Computer können diese die aktuellen Werte ihres Stromhaushalts kritisch betrachten und ihr Verhalten hin zu weniger Verbrauch ändern.
Auf Transdanubien folgt der Westen bei der Umstellung
In Wien hat die Umstellung in der Donaustadt, in Favoriten und in Meidling begonnen. Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring und die Brigittenau werden derzeit auf Smartmeter umgestellt. Ablehnen kann man den Tausch nicht, sehr wohl aber den vollen Funktionsumfang.
Bevor der alte Ferraris-Zähler abmontiert wird, informieren die Wiener Netze ihre Kunden schriftlich und klären über die Möglichkeiten auf. Tut man gar nichts, erhält man ein intelligentes Gerät, das einmal täglich den Verbrauch misst und an den Netzbetreiber übermittelt. Die Daten werden 60 Tage lang gespeichert und sind auch vom Kunden im Internet einsehbar. Dann gibt es aber auch die Möglichkeit eines "Opt-ins". Damit wird die Abgriffrate erhöht und erfolgt im Viertelstundentakt.
Für Datenschützer ist diese Vorstellung ein Albtraum, da auf diese Weise ein großer Einblick in die Privatsphäre gewährt wird. Allzu leicht ließe sich damit der Lebenswandel nachvollziehen: wann die Waschmaschine eingeschaltet wird, wann und wie lange ferngesehen wird, wann man sich auf Urlaub befindet. Mit diesen Daten wiederum ergebe sich die Möglichkeit, Kunden mit unerwünschter Werbung zu torpedieren. Noch schlimmer ist allerdings die Vorstellung, dass Hacker die übermittelten Daten abfangen und dadurch - etwa im Urlaubsfall - genau wissen, wann sie am besten in die Wohnung einbrechen.
Solche Szenarien wollen auch die Wiener Netze verhindern. "Es werden keine personenbezogenen Daten übermittelt", erklärt eine Sprecherin der Wiener Netze gegenüber der "Wiener Zeitung". Es wird lediglich eine Identifikation übermittelt, mit der Außenstehende nichts anfangen können und die erst beim Netzbetreiber dem Kunden zugeordnet wird.
Wer auf Nummer sicher gehen will, hat zudem die Möglichkeit eines "Opt-outs". Das bedeutet zwar nicht, dass man seinen alten Zähler behalten darf. Aber man erhält dann nur einen digitalen Standardzähler, der auch lediglich einmal im Jahr den Verbrauchsstand übermittelt. Andere Daten werden weder vom Zähler weder abgegriffen noch gesendet, heißt es von den Wiener Netzen. Und ein weiterer Kritikpunkt wird damit ebenfalls berücksichtigt: Fernein- und -abschaltung sowie die Leistungsbegrenzung. Diese Funktionen sind im Falle eines Opt-outs nicht aktiv. Für Kritiker ist es nämlich beunruhigend zu wissen, dass nur irgendwo jemand auf einen Knopf drücken muss oder eine Funktionsstörung auftreten braucht, um den ganzen Haushalt ohne Strom zu lassen. Noch schlimmer ist die Vorstellung, finstere Gestalten könnten sich in das Netz hacken und beispielsweise Erpressungsversuche starten.
Datenschützer sind
weiterhin skeptisch
Gänzlich wird man trotz Opt-outs die Bedenken der Datenschützer nicht ausräumen können. Denn auch bei Abschaltung vieler Funktionen bleibt für sie eine Restungewissheit bestehen. "Würden Sie sich in Ihr Wohnzimmer eine Überwachungskamera einbauen lassen, wenn wir Ihnen versprechen, nicht zu schauen und zu lauschen?", gibt die "Plattform Stop Smart Meter" zu bedenken. Doch es gibt laut Wiener Netze auch jene, die den Wechsel auf Smart Meter gar nicht mehr erwarten können. Besonders gefragt sind diese bei gemeinschaftlichen Energieanlagen bzw. Energiegemeinschaften.
Laut Wiener Netze werden Kunden, die den Smart Meter von sich aus beantragen priorisiert. Wer sich nicht sicher ist, ob er einen Smart Meter oder einen Standardzähler will, kann übrigens jederzeit zwischen Opt-in, Opt-out und der Standardvariante hin und her wechseln. Und wer sich eine Vorstellung davon machen möchte, wie das Ganze im Internet aussieht, der kann das auf der Webseite der Wiener Netze jetzt schon unter https://www.wienernetze.at/demo-user tun.
Schlagworte
Wiener Netze​News​Strom​Smart MeterEnergie
14
Weiterlesen in Wien-Chronik
KLIMASCHUTZ
Im Tunnelblick der Klimaangst
23.09.2021 1 1
LOBAUTUNNEL
Greenpeace-Protest im Wiener Rathaus
23.09.2021 5 2
PROZESS
Lebenslange Haft und Einweisung nach Dreifach-Mord
22.09.2021 8
HAUS DES MEERES
360 Grad Hai-Aquarium wie ein Tauchgang
22.09.2021 11
6 Kommentare
Kommentar schreiben
EinEchterDemokrat30.07.2021, 09:22 Uhr
Alle Daten, die aus "lauteren" Motiven gesammelt werden, werden ehebaldigst missbräuchlich und nie im Interesse derjenigen, denen diese Daten abgenommen wurden, verwendet.
antworten
9
0

melden
Ogledala01.08.2021, 16:18 Uhr
Es sollten sich nicht nur die Daten-, sondern auch die Konsumentenschützer "aufregen". Sind die smarten Zähler nämlich einmal flächendeckend draußen, wird es plötzlich verschiedene, preislich wesentlich unterschiedliche Stromtarife geben. Die Standardtarife werden dann bei mehr
3
0

melden
2 weitere Antworten anzeigen
Mag. Manuel Leitgeb30.07.2021, 08:53 Uhr
Das Opt-Out bei den Smartmetern ist doch eine Farce.
Normalerweise sollte man den alten Zähler behalten, so bekommt man den neuen dennoch aufs Auge drückt, und die zuständigen Stellen versprechen halt hoch und heilig, keine Daten abzugreifen.

Mhm, genau. Es sollte doch inzwischen … mehr
antworten
6
0

melden
wartl
29.07.2021, 17:51 Uhr
Ich habe aus Datenschutzgründen Opt-out gewählt, damit ist das Hacking (ich bin sehr skeptisch, ob die Energieversorgungsunternehmen ausreichende Vorkehrungen dagegen getroffen haben, denn die kosten ja etwas) doch nach Möglichkeit hintangehalten. Lieber hätte ich den alten Zämehr
antworten
9
0

melden
cogito
29.07.2021, 20:17 Uhr
Bedanken Sie sich bei der EU und unseren EU-hörigen Verwaltern und glauben Sie weiterhin fest daran, dass die Daten nur gesammelt, aber nicht verwendet und ganz sicher auch nicht entwendet werden.

Dasselbe empfehle ich Ihnen bezüglich ELGA und Corona-Impfung/Grüner Pass, dort mehr
10
0

melden
zur Startseite
Wann kommt die Zinswende?
E-PAPER
für alle Endgeräte
JETZT TESTEN
ABOS
immer bestens informiert
JETZT WÄHLEN
NEWSLETTER
täglich informiert
JETZT ABONNIEREN

Impressum Kontakt AGBDatenschutz Cookie-Policy
Wiener Zeitung Gruppe: Unternehmen​Mediasales Jobs Redaktion​Redaktionsstatut​English Information about WZ Aboangebote
Unterstützen Sie Qualitätsjournalismus mit Ihrer Zustimmung
Bitte stimmen Sie der Verwendung von Analyse- und Marketing-Cookies auf der Webseite der Wiener Zeitung zu. Damit helfen Sie uns, unsere Webseite zu verbessern und wir können Ihnen damit für Sie zugeschnittene Werbung präsentieren. Ihre Zustimmung können Sie jederzeit in den Cookie Einstellungen (Sie finden am linken unteren Bildschirmrand ein hellblaues Schild.) widerrufen.

Analyse- und Marketing-Cookies sind technisch nicht erforderliche Cookies, die nur aufgrund Ihrer Zustimmung in Ihrem Endgerät gespeichert werden dürfen. Durch die Bestätigung des Buttons „Cookies akzeptieren“ erteilen Sie uns Ihre Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies. Sie können auch die Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies mit dem Button "Alle ablehnen" bzw. über die „Cookie Einstellungen“ verweigern.

Mit Hilfe von Cookies verarbeitete personenbezogene Daten werden von der Wiener Zeitung und von Werbepartnern (IAB und IAB-Lieferanten) verarbeitet. Im Rahmen der Verarbeitung erfolgt eine Speicherung von Informationen im Endgerät des Webseitenbesuchers und können die Wiener Zeitung und Werbepartner der Wiener Zeitung auf Informationen im Endgerät, z.B. auf eindeutige Kennungen in Cookies, des Webseitenbesuchers zugreifen. Nähere Informationen zu Cookies und zum Widerruf technisch nicht erforderlicher Cookies finden Sie in unserer Cookie Policy
Ihre Zustimmung bezieht sich auch auf die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Dienstleister in den USA. Nach einer Entscheidung des EuGH gewährleisten die USA kein ausreichendes Datenschutzniveau.
Zu diesen Zwecken verwenden wir Cookies
Genaue Standortdaten verwenden. Geräteeigenschaften zur Identifikation aktiv abfragen. Informationen auf einem Gerät speichern und/oder abrufen. Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen- und Inhaltsmessung, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklung.

StartseiteChronikWien-Chronik