VERTEILUNG
EU verärgert über Kurz wegen Impf-Kritik
Der Kanzler "wird keine einzige Extra-Dosis bekommen", zitiert die "Financial Times" einen EU-Beamten.
vom 22.03.2021, 18:04 Uhr | Update: 23.03.2021, 11:06 Uhr
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Die Europäische Union will Österreich laut einem Bericht der "Financial Times" im Gegensatz zu Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) keine Extra-Impfdosen im Rahmen der Verteilung von zehn Millionen zusätzlichen Biontech/Pfizer-Dosen zugestehen. "Kurz wird nicht eine einzige Extra-Dosis bekommen", zitierte die "FT" am Montag einen nicht namentlich genannten zuständigen EU-Beamten. Kurz' Breitseiten gegen das Impfmanagement Brüssels hätten unter den EU-Staaten für Bestürzung gesorgt.
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Brüsseler Diplomaten hätten Kurz dafür gerügt, dass er die EU als "Sündenbock" benutze und mit den Impfstoffen Innenpolitik mache, schrieb die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe weiters. Vermerkt wird in dem Artikel, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel den österreichischen Bundeskanzler bei dessen Berlin-Besuch in der Vorwoche nicht getroffen hatte. "Die EU wird als Teil österreichischer Schuldzuweisungen benutzt", zitierte die FT einen EU-Beamten.
Die wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Bevorzugung bei der Verteilung der zehn Millionen zusätzlichen Biontech/Pfizer-Impfdosen seien laut Diplomaten Estland, Lettland, Bulgarien und Kroatien, heißt es in dem Bericht weiter. Auf diese EU-Staaten soll etwa ein Drittel der zehn Millionen Dosen entfallen. Der übrige Teil der Lieferung soll anteilsmäßig an die EU-Staaten verteilt werden.
EU-Videogipfel ab Donnerstag
Kurz hatte in der Vorwoche erklärt, die Europäische Union sei einer Lösung nahe, um bestehende Abweichungen vom Bevölkerungsschlüssel bei den Corona-Impfstofflieferungen zu korrigieren. Er hatte angedeutet, dass Österreich im Rahmen der Korrektur bis zum Sommer rund 400.000 fehlende Dosen erhalten könnte. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte hingegen am Dienstagmittag bei einem Online-Pressegespräch zur Impfkampagne in Wien gesagt, 200.000 dieser Biontech-Dosen würden auf Österreich entfallen, dies entspricht in etwa dem Bevölkerungsschlüssel. Über die Verteilung müssen die EU-Staaten im Konsens entscheiden.
Sollte Österreich nicht auf die Liste der Staaten kommen, die zusätzliche Impfdosen erhalten, würde dies die Spannungen zwischen Kurz und anderen EU-Staats- und Regierungschefs vor dem am Donnerstag beginnenden EU-Videogipfel weiter anheizen, schreibt die FT. Sollte keine Einigung über die Verteilung der Dosen erzielt werden, würden die zehn Millionen Impfdosen anteilsmäßig und ohne Korrekturen unter den EU-Staaten verteilt.
Kurz hatte gemeinsam mit den Premierministern von Tschechien (Andrej Babis), Slowenien (Janez Jansa), Bulgarien (Bojko Borissow), Lettland (Krisjanis Karins) und Kroatien (Andrej Plenkovic) einen Korrekturmechanismus für eine gerechtere Verteilung der Corona-Impfdosen gefordert. Das derzeitige Bestellsystem würde sonst "bis zum Sommer riesige Ungleichheiten unter Mitgliedsstaaten schaffen und vertiefen", schrieben sie an EU-Ratspräsident Michel und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten im Jänner eine Verteilung nach Bevölkerungsgröße vereinbart.
Die EU-Kommission und mehrere EU-Staaten hatten geheime Absprachen dementiert. Vielmehr hätten nicht alle EU-Staaten alle ihnen angebotenen Impfstoffe gekauft, die übrig gebliebenen Dosen seien dann von anderen EU-Staaten aufgekauft worden. (apa)
Schlagworte
Verteilung​Impfen​Impfstoffe​Europäische UnionSebastian KurzÖsterreich
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16 Kommentare
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Weltbürger24.03.2021, 12:51 Uhr
Jeder CEO wäre schon dreimal gefeuert worden.
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Christ.W23.03.2021, 10:12 Uhr
Da fühlt sich wohl ein hochrangiger und sicher hochbezahlter EU-Beamter auf den Schlips getreten der einfach seine Arbeit machen soll. Kurz hat ja nicht nur für Österreich gesprochen, sondern eine sichtbar gewordene Ungerechtigkeit angesprochen und das wird ja wohl noch erlaubt … mehr
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Fritz5123.03.2021, 16:04 Uhr
@ argus film fan. Jetzt hüpfen Sie bitte vor, dass zu wenig bestellt wurde ... ( wenn auch die "Bestellung" ein Kaspertheater war).
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3 weitere Antworten anzeigen
Weltbürger23.03.2021, 09:30 Uhr
Der "Bubi" kritisiert die EU.Frau v.d. L is not amused ...
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cahier23.03.2021, 09:03 Uhr
Vielen Dank dass dieses Thema in der Wiener Zeitung einen Artikel wert ist!
Z.B. orf.at ist dieses Thema keine Schlagzeile wert, Ö1 hat dafür ausführlich darüber im Morgenjournal berichtet! Was ist da los im ORF!
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Leselump23.03.2021, 07:13 Uhr
".....hätten unter den EU-Staaten für Bestürzung gesorgt."
mimimimi, "ormsölige wiaschtln"
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