ABTREIBUNGSVERBOT
Nach 150 Jahren Ende des Abtreibungsverbots in San Marino
2
0
Rund 77 Prozent der Wahlberechtigten stimmten bei einem Referendum für die Abschaffung des Verbots des Schwangerschaftsabbruchs.
vom 26.09.2021, 22:03 Uhr | Update: 26.09.2021, 22:10 Uhr
An der Volksabstimmung beteiligte sich 41 Prozent der Wählerschaft.
© AFP
2
In San Marino ist das seit mehr als 150 Jahren geltende Abtreibungsverbot gefallen. In der kleinen Enklave im Norden Italiens stimmten laut fast endgültigen Ergebnissen 77 Prozent der Wahlberechtigten bei einem Referendum am Sonntag für die Abschaffung des Verbots des Schwangerschaftsabbruchs. An der Volksabstimmung beteiligte sich 41 Prozent der Wählerschaft.
Wahlberechtigt waren 35.411 Menschen, 22.970 davon in San Marino und die anderen im Ausland. Für die Gültigkeit des Referendums war keine Mindestbeteiligung vorgesehen.
Das Referendum wurde dank der Mobilisierung der feministischen Gruppe "Unione Donne Sammarinesi" (Union der Frauen San Marinos/UDS) erreicht. In der Minirepublik war Schwangerschaftsabbruch bisher unter allen Umständen verboten, auch bei Vergewaltigung, schweren Missbildungen des Fötus und Gefahr für das Leben der Frau.
Gesetz stammte aus dem Jahr 1865
Die Artikel 153 und 154 des Strafgesetzbuches sehen für Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, aber auch jede Person, die ihnen dabei hilft oder die Abtreibung durchführt, eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten bis drei Jahren vor. Diese Artikel stammen aus dem Jahr 1865 und wurden durch das derzeit geltende Strafgesetzbuch aus dem Jahr 1974 bestätigt.
Die christdemokratische Partei PDCS, die stärkste Gruppierung in der Mini-Republik, hatte sich gegen die Abschaffung des Abtreibungsverbots ausgesprochen, während die Bürgerbewegung "Rete e libera" dafür ist. Alle anderen Gruppierungen haben den Bürgern freie Wahl gelassen.
San Marino war bisher einer der wenigen Orte in Europa - neben der Vatikanstadt, Malta, Andorra, Liechtenstein und Polen, das ein fast vollständiges Verbot des Schwangerschaftsabbruchs eingeführt hat -, wo Abtreibungen nicht erlaubt oder sehr schwierig sind. Frauen aus San Marino, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen, wenden sich daher an italienische Einrichtungen. Gerade die Nähe zu Italien habe dazu geführt, dass sich das Verbot in San Marino über die Jahre hinweg gehalten hat, betonten Frauenverbände. Da die Anonymität gewährleistet ist, sei die Verfolgung einer Frau, die im Ausland abgetrieben hat, sehr kompliziert.
Verbot noch in Andorra und Malta
Ähnlich strenge Gesetze zum Thema Abtreibung wie in San Marino gibt es in Europa nur noch in Andorra und Malta. In Liechtenstein darf eine Frau ihre Schwangerschaft nur vorzeitig beenden, wenn ihre Gesundheit oder ihr Leben gefährdet sind oder sie nach einer Vergewaltigung schwanger wurde. In Monaco und Polen sind Abtreibungen zudem möglich, wenn der Fötus schwere Missbildungen aufweist. (apa)
Schlagworte
Abtreibungsverbot​Italien​San MarinoReferendum
2
Weiterlesen in Europa
EU-ASYLBEHÖRDE
Deutlich mehr Asylanträge in der EU
17.10.2021 1
AUSSENMINISTER-TREFFEN
EU berät Lage am Golf und Östliche Partnerschaft
16.10.2021 1 1
DEUTSCHLAND
CDU-Gruppentherapie nach Absturz
16.10.2021 2 2
GROSSBRITANNIEN
Mord an Abgeordnetem als Terrorakt eingestuft
16.10.2021 1 1
0 Kommentare
Kommentar schreiben
Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.
Passwort vergessen?
Kommentar schreiben
* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)
E-Mail *
Ihr Passwort *
Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.
Bei Antworten benachrichtigen
Absenden
zur Startseite
Wie der globale Kampf gegen Korruption auf Österreich abfärbt
E-PAPER
für alle Endgeräte
JETZT TESTEN
ABOS
immer bestens informiert
JETZT WÄHLEN
NEWSLETTER
täglich informiert
JETZT ABONNIEREN

Impressum Kontakt AGBDatenschutz Cookie-Policy
Wiener Zeitung Gruppe: Unternehmen​Mediasales Jobs Redaktion​Redaktionsstatut​English Information about WZ Aboangebote
Unterstützen Sie Qualitätsjournalismus mit Ihrer Zustimmung
Bitte stimmen Sie der Verwendung von Analyse- und Marketing-Cookies auf der Webseite der Wiener Zeitung zu. Damit helfen Sie uns, unsere Webseite zu verbessern und wir können Ihnen damit für Sie zugeschnittene Werbung präsentieren. Ihre Zustimmung können Sie jederzeit in den Cookie Einstellungen (Sie finden am linken unteren Bildschirmrand ein hellblaues Schild.) widerrufen.

Analyse- und Marketing-Cookies sind technisch nicht erforderliche Cookies, die nur aufgrund Ihrer Zustimmung in Ihrem Endgerät gespeichert werden dürfen. Durch die Bestätigung des Buttons „Cookies akzeptieren“ erteilen Sie uns Ihre Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies. Sie können auch die Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies mit dem Button "Alle ablehnen" bzw. über die „Cookie Einstellungen“ verweigern.

Mit Hilfe von Cookies verarbeitete personenbezogene Daten werden von der Wiener Zeitung und von Werbepartnern (IAB und IAB-Lieferanten) verarbeitet. Im Rahmen der Verarbeitung erfolgt eine Speicherung von Informationen im Endgerät des Webseitenbesuchers und können die Wiener Zeitung und Werbepartner der Wiener Zeitung auf Informationen im Endgerät, z.B. auf eindeutige Kennungen in Cookies, des Webseitenbesuchers zugreifen. Nähere Informationen zu Cookies und zum Widerruf technisch nicht erforderlicher Cookies finden Sie in unserer Cookie Policy
Ihre Zustimmung bezieht sich auch auf die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Dienstleister in den USA. Nach einer Entscheidung des EuGH gewährleisten die USA kein ausreichendes Datenschutzniveau.
Zu diesen Zwecken verwenden wir Cookies
Genaue Standortdaten verwenden. Geräteeigenschaften zur Identifikation aktiv abfragen. Informationen auf einem Gerät speichern und/oder abrufen. Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen- und Inhaltsmessung, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklung.

StartseitePolitikEuropa