BILDUNG
Schulen im Testmodus
6
4
Schulen durchlaufen aktuell eine Sicherheitsphase. Vielerorts kämpft man mit logistischen Problemen und Überforderung.
vom 23.09.2021, 18:00 Uhr | Update: 24.09.2021, 09:03 Uhr
In der Sicherheitsphase wurde dreimal pro Woche getestet: In Wien zweimal davon mit PCR-Test, im Rest Österreichs einmal mit PCR-Test. Für Ungeimpfte soll das so bleiben.
© apa / Hans Punz
6
Lydia Mitterbauer
Im Osten Österreichs geht bereits die dritte Schulwoche zu Ende und damit auch die sogenannte Sicherheitsphase. In dieser wurde dreimal pro Woche getestet, einmal davon mit einem PCR-Test, in Wien sogar zweimal. Nicht überall erhält das aktuelle Vorgehen ein gutes Feedback. Ein Rundruf der "Wiener Zeitung" unter Schulpartnern zeigt ein ambivalentes Bild: Logistische Probleme, verloren gegangene Unterrichtszeit, Belastung von Lehrern und Direktorinnen. Dennoch: Es funktioniert - und wurde von Woche zu Woche etwas besser. Der Konsens bei allen Befragten: Der Präsenzunterricht muss aufrechterhalten werden.
Mehr zu diesem Thema
Testen an Schulen geht vorerst weiter
22.09.2021
Welche Regeln für Schulen gelten
25.08.2021 3 4
82 Prozent der Lehrer geimpft
08.09.2021 13 1
Eine Mittelschule in Wien. Die die Situation sei "wahnsinnig schwierig", sagt eine Lehrerin. Natürlich wolle man die Schulen offenhalten, die Umsetzung der Maßnahmen sei aber aufwendig. Die Tests würden viel Zeit in Anspruch nehmen - Zeit, die man dringend für den Unterricht brauche. "Ich hätte mir ein stabileres Konzept gewünscht, das nicht so wirkt, als wäre es im letzten Moment aus dem Ärmel geschüttelt worden", sagt die Lehrerin. Die Stimmung im Kollegium beschreibt sie als "schwierig", viele seien überfordert, auch der Druck auf die Kinder und der Umgang mit unzufriedenen Eltern sei nicht leicht. Positiv sei jedoch, dass man in der dritten Woche schon "recht flott" beim Testen sei. "Aber ich würde den Kindern wünschen, dass sie wieder unbeschwerter leben können. Dass sie nicht so viel Vernunft, Einsicht und Rücksicht zeigen müssen."
Am Montag und Dienstag wurden rund 853.000 PCR-Tests durchgeführt, dabei gab es 858 positive Ergebnisse. Das sind 0,1 Prozent der Tests. 251 Klassen waren am Mittwoch österreichweit geschlossen. Mittlerweile wurde die Möglichkeit zum Freitesten von zehn auf fünf Tage verkürzt. Bildungsminister Heinz Faßmann geht davon aus, dass das Testprogramm für ungeimpfte Schüler weitergehen wird.
Schulen werden zu einer "Art Gesundheitsbehörde"
"Natürlich ist das Testen notwendig, aber es wurde nicht weitergedacht", sagt Josef Gary Fuchsbauer, Bundeskoordinator der Gewerkschaft der unabhängigen Lehrerinnen und Lehrer, ÖLI-UG. Er ortet mehrere Probleme: "Lehrer sind teilweise massiv überfordert. Nicht nur mit dem Testen, sondern auch mit dem Erfassen und Einmelden der Daten." Neben Mehrarbeit und gleichzeitig fehlender Unterrichtszeit kam es für Lehrer zu einer zusätzlichen Veränderung: "Lehrer sind jetzt auch Krankenschwestern und Krankenpfleger. Aber im Gegensatz zu den Menschen mit Schutzausrüstung in Teststraßen müssen sie alles in Alltagskleidung machen", sagt Fuchsbauer.
Auch Paul Kimberger, Vorsitzender der Bundesleitung der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer, schließt sich dem an. "Man könnte fast den Eindruck gewinnen, wir sind eine Art Gesundheitsbehörde", sagt er. Die Schulen würden in Verwaltung und Bürokratie versinken. Auch er spricht davon, dass die Belastung für Direktorinnen, Lehrer, Eltern und Schüler "enorm" sei. Er habe eine solche Zumutung von außen so noch nie erlebt. Machbar sei dies alles aufgrund der "großartigen Arbeit" der Lehrer. "Sie legen die größtmögliche Normalität an den Tag im Sinne unserer Kinder", sagt Kimberger. Generell würden die Tests große logistische Probleme mit sich bringen, die sich zwar vielerorts eingespielt hätten, jedoch nach wie vor nicht überall.
Aus verschiedenen Bildungsdirektionen heißt es dazu, dass die logistischen Probleme zwar in der ersten Woche durchaus vorhanden waren, sich diese aber mittlerweile stark verbessert hätten. "Es läuft 1.000-mal besser als in der ersten Woche", hieß es etwa aus Wien. Auch in Niederösterreich wurden nach der ersten Woche kaum noch Probleme gemeldet. Im Burgenland gab es von Beginn an nur vereinzelt Schwierigkeiten.
"Enormer Aufwand von Schulen verlangt"
"Die Anfangsschwierigkeiten waren dem enormen Logistikaufwand geschuldet", sagt Marcus Dekan, Vorsitzender des Verbands der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens. Dafür habe man Verständnis. Grundsätzlich stehe man als Verein hinter dem Konzept der Sicherheitsstufen. Schwierigkeiten ortet er jedoch bei der Nachvollziehbarkeit der Quarantäne-Regeln - diese müssten verbessert werden. Nun sei es Dekan jedoch in erster Linie wichtig, dass die Lehrer wieder auf die Kinder eingehen und ihnen die Angst vor dem Verlauf des Schuljahres und der Zukunft nehmen können.
Doch wie geht es den Kindern? Vor der Elisabethschule in Wien trifft die "Wiener Zeitung" auf zufriedene Eltern. "Das Testen stört die Kinder nicht, sie haben sich daran gewöhnt. Wir müssen eher schauen, dass wir die Maske nicht vergessen", sagt ein Vater mit Kindern in der zweiten und vierten Klasse Volksschule. Zwei Mütter meinen, dass ihren Kindern das Testen sogar Spaß mache. "Sie sind routiniert. Das dauert zehn Minuten, alles geht zack zack", sagt eine Mutter einer Zweitklässlerin. Ein Vater kann sich aber vorstellen, dass es für die Lehrer schwierig ist.
Das wird von Direktorin Beatrix Taxer bestätigt. Von den Schulen werde "ein enormer Aufwand verlangt", sagt sie. Mittlerweile habe man an der Mittelschule Hörnesgasse in Wien aber einen Modus gefunden, "mit dem wir ganz gut zurechtkommen", sagt Taxer. In Bezug auf die Herausforderungen mit dem Testen geht sie davon aus, dass das Bildungsministerium ein falsches Bild von Eltern und Schülern habe. Dort wisse man etwa nicht, dass viele Eltern oft die Telefonnummer und die E-Mail-Adresse wechseln, in einigen Familien sei außerdem das technische Equipment gar nicht vorhanden.
Lockdown an Schulen soll verhindert werden
Auch Barbara Rosenberger-Fellner, Direktorin an der Volksschule Petrusgasse in Wien, ortet wie viele andere Probleme mit der Logistik, beim Erreichen der Gesundheitsbehörde und mit den sich ändernden Richtlinien. Die fehlende Unterrichtszeit nehme auch an ihrer Schule große Ausmaße an: Pro Woche brauche man fürs Testen etwa zwei Unterrichtsstunden. Rosenberger-Fellner sieht sich außerdem immer mehr mit der Aggression der Eltern konfrontiert. Alle Fäden liefen eben in der Schule zusammen.
In Bezug auf die Richtlinien ortet auch Isabella Zins, Sprecherin der AHS-Direktoren Verbesserungsbedarf. Die Quarantäne-Regeln müssten sich noch einspielen. Generell würde das "Konzept Sichere Schule" jedoch funktionieren. Nun hoffe man noch auf mehr Impfungen unter den Jugendlichen. Auch wenn die Belastung beim Schulpersonal zugenommen habe, gemeistert werde diese trotzdem: "Wir wollen das große Ziel erreichen: Kein Lockdown an Schulen und den Präsenzunterricht aufrechterhalten", so Zins.
Schlagworte
Bildung​Unterricht​Tests​Schulen​Sicherheitsphase​Coronavirus​News
6
Weiterlesen in Österreich
CORONA
3G am Arbeitsplatz kommt
19.10.2021 1
NACH OÖ-WAHL
Linzer ÖVP muss Wirtschaft an SPÖ abgeben
19.10.2021 1 1
ÖVP-ERMITTLUNGEN
Initiative will effektive Antikorruptionsgesetze
19.10.2021 8 1
SENIORENRAT
Senioren drohen mit Gang zu Höchstgericht
19.10.2021 5
4 Kommentare
Kommentar schreiben
Reinhard Horner
24.09.2021, 15:13 Uhr
Was hat das zu tun mit Bildung tragender persönlicher Qualitäten des Empfindens, Denkens und Handelns zum Ich, zum Du, zum Wit? Im Schulwesen dreht sich in Wirklichkeit doch alles um Qualifikationen und obendrein unter schier zwanghaften Vereinheitlichungen. Wo bleibt die notwendige Erneuerung?
antworten
0
0

melden
mosmueller24.09.2021, 07:18 Uhr
... logistische Probleme und Überforderung und "Lehrkörper": ein untrennbarer Begriff.

RKI - Neuinfektionen gehen weiter zurück.
Das ist auf den Rückgang der Massenimpfungen zurückzuführen: Nix geimpft - nix infektiös!
antworten
0
0

melden
pplw124.09.2021, 23:02 Uhr
Ist es natürlich nicht....aber das wissen sie ja selbst....
0
0

melden
Pee
23.09.2021, 22:36 Uhr
Darf man eigentlich allen, die die Schutzmassnahmen ablehnen und dadurch die Mitbürger einfach mal so in tödliche Gefahr bringen wollen, einen langen qualvollen Coronatod wünschen? Und zwar in den eigenen vier Wänden, um die Intensivbetten in den Spitälern freizuhalten.
Corona … mehr
antworten
0
2

melden
zur Startseite
EU-Recht: Polen wirft der Europäischen Union "Erpressung" vor
E-PAPER
für alle Endgeräte
JETZT TESTEN
ABOS
immer bestens informiert
JETZT WÄHLEN
NEWSLETTER
täglich informiert
JETZT ABONNIEREN

Impressum Kontakt AGBDatenschutz Cookie-Policy
Wiener Zeitung Gruppe: Unternehmen​Mediasales Jobs Redaktion​Redaktionsstatut​English Information about WZ Aboangebote
Unterstützen Sie Qualitätsjournalismus mit Ihrer Zustimmung
Bitte stimmen Sie der Verwendung von Analyse- und Marketing-Cookies auf der Webseite der Wiener Zeitung zu. Damit helfen Sie uns, unsere Webseite zu verbessern und wir können Ihnen damit für Sie zugeschnittene Werbung präsentieren. Ihre Zustimmung können Sie jederzeit in den Cookie Einstellungen (Sie finden am linken unteren Bildschirmrand ein hellblaues Schild.) widerrufen.

Analyse- und Marketing-Cookies sind technisch nicht erforderliche Cookies, die nur aufgrund Ihrer Zustimmung in Ihrem Endgerät gespeichert werden dürfen. Durch die Bestätigung des Buttons „Cookies akzeptieren“ erteilen Sie uns Ihre Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies. Sie können auch die Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies mit dem Button "Alle ablehnen" bzw. über die „Cookie Einstellungen“ verweigern.

Mit Hilfe von Cookies verarbeitete personenbezogene Daten werden von der Wiener Zeitung und von Werbepartnern (IAB und IAB-Lieferanten) verarbeitet. Im Rahmen der Verarbeitung erfolgt eine Speicherung von Informationen im Endgerät des Webseitenbesuchers und können die Wiener Zeitung und Werbepartner der Wiener Zeitung auf Informationen im Endgerät, z.B. auf eindeutige Kennungen in Cookies, des Webseitenbesuchers zugreifen. Nähere Informationen zu Cookies und zum Widerruf technisch nicht erforderlicher Cookies finden Sie in unserer Cookie Policy
Ihre Zustimmung bezieht sich auch auf die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Dienstleister in den USA. Nach einer Entscheidung des EuGH gewährleisten die USA kein ausreichendes Datenschutzniveau.
Zu diesen Zwecken verwenden wir Cookies
Genaue Standortdaten verwenden. Geräteeigenschaften zur Identifikation aktiv abfragen. Informationen auf einem Gerät speichern und/oder abrufen. Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen- und Inhaltsmessung, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklung.

StartseitePolitikÖsterreich