STEUERREFORM
Senkung der KÖSt eher "Symbolwirkung"
4
2
Niedrigere Gewinnsteuer entlastet vor allem große Firmen. Investitionsfreibetrag könnte zum Standortfaktor werden.
vom 04.10.2021, 19:00 Uhr | Update: 05.10.2021, 12:01 Uhr
Der Investitionsfreibetrag könnte eine Hebelwirkung entfalten.
© apa / Barbara Gindl
4
Marina Delcheva
Leitung Wirtschaft

Für Unternehmen bringt ja die ökosoziale Steuerreform, die am Sonntag von der Bundesregierung präsentiert wurde, unter anderem eine Senkung der Körperschaftsteuer (KÖSt), also der Gewinnsteuer. Im kommenden Jahr soll die KÖSt von derzeit 25 auf 24 Prozent sinken, 2023 sollen es dann 23 Prozent sein. Daneben sind eine Reihe weiterer Maßnahmen für Unternehmen geplant. Etwa ein Investitionsfreibetrag, der an die Investitionsprämie anschließt, eine Anhebung des Gewinnfreibetrags, ein Härtefallfonds oder der Agrardiesel.
Mehr zu diesem Thema
"Das sind keine Beträge, die uns abschrecken"
04.10.2021 15 10
"Hier sind das Monitoring und das Anpassen genauso wichtig wie die Maßnahmen selbst", sagt Herbert Kovar, Partner in der Steuerberatung von Deloitte, zur "Wiener Zeitung". Die Senkung der KÖSt habe vor allem eine Signalwirkung für den Standort, meint er. "Die KÖSt ist immer eines der ersten Dinge, die sich ein internationaler Investor ansieht", sagt er. Die Senkung sei zwar gut, er wünsche sich aber eine "mutigere" Reform "in Richtung 19 Prozent".
Kritik vom Mittelstand
Die niedrigere Gewinnbesteuerung kommt aber nicht bei allen gut an. Während etwa Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer diesen Schritt loben, gab es Kritik vonseiten kleiner und mittelständischer Betriebe. Kleine Unternehmen haben nicht so viel davon - das macht für die großen Konzerne etwas aus", sagte die Präsidentin der Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, am Montag. Kleinere Betriebe die verhältnismäßig mitarbeiterintensiv sind, hätten mehr von einer größeren Senkung der Lohnnebenkosten, weil sie ohnehin nicht so hohe Gewinne erwirtschaften.
Und auch EPUs und kleine Kommanditgesellschaften profitieren nicht von niedrigeren Gewinnsteuern. "Wir sehen, dass diese Steuerreform noch mehr Mut für den Mittelstand braucht", sagte Rainer Will, Präsident des Handelsverbands.
Kovar kontert: "Wenn mehr Geld im Unternehmen bleibt, bleibt auch mehr Geld für Investitionen." Außerdem würden Ein-Personen-Unternehmen von der Entlastung bei der Einkommensteuer und der Senkung in den Tarifstufen profitieren.
Investitionen lenken
Die KÖSt ist vor allem für große, international tätige Betriebe ein Standortfaktor. Im Zuge der aktuellen Steuerreform könnte sich aber ein Hebel, der noch etwas unbeleuchtet blieb, zum wesentlichen Instrument für eine ökologische Transformation in einigen Betrieben erweisen. Die Regierung hat einen 350 Millionen Euro schweren Investitionsfreibetrag mit einer Ökologisierungskomponente beschlossen, der sich an der Investitionsprämie orientiert.
Gefördert werden also Anschaffungen oder Investitionen, die im Betrieb zu einer Senkung der Emissionen beitragen; zum Beispiel die Umstellung des Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge, Erneuerung der Filtersysteme oder Ähnliches. Hier könnte der Lenkungseffekt laut Kovar deutlicher ausfallen. "Indem ich auf der CO2-Seite (CO2-Steuern, Anm.) zeige, in welche Richtung es geht, müssen Unternehmen jetzt schon in diese Richtung Investitionen tätigen."
So entfällt künftig auch die sogenannte Eigenstromsteuer. Bisher haben Haushalte oder Betriebe, die selbst Energie und Strom etwa mittels Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach produziert haben, eine Netzgebühr gezahlt. Jetzt entfällt diese, was mit etwa 50 Millionen Euro budgetiert ist. Energieautarke Bauernhöfe werden außerdem mit 25 Millionen Euro gefördert.
Weniger für den Fiskus
Die Regierung hat auch einen Härtefallfonds für Unternehmen angekündigt, deren Geschäftsmodell kurzfristig besonders hart vom Umbau in die Richtung Ökologisierung betroffen ist. Wie dieser ausgestaltet ist und wer wie viel bekommen soll, ist jedoch gänzlich offen. Zwar ist der Umstieg für kleinere, sehr energieintensive Betriebe schwieriger und teurer. Wenn man hier aber besonders großzügig kompensiert, läuft man auch Gefahr, alte Strukturen zu konservieren, was letzten Endes den Umbau hemmen würde.
Im Standortpaket zur Steuerreform macht die KÖSt-Senkung mit 700 Millionen Euro den größten Brocken aus. Von der Stadt Wien kam Montag diesbezüglich Kritik. Eigenen Angaben zufolge würde Wien dadurch 450 Millionen Euro pro Jahr verlieren. Ob und in welchem Ausmaß die Senkung durch einen Zuwachs an Beschäftigung und Investitionen kompensiert wird, ist noch offen.
Schlagworte
Steuerreform​Körperschaftsteuer​Investitionsfreibetrag​Bundesregierung
4
Weiterlesen in Österreich
REGIERUNGSUMBILDUNG
Wer sind die neuen Minister?
03.12.2021 1
ÖVP
Kanzler Schallenberg wird wieder Außenminister
03.12.2021 1 2
LOHNRUNDE
Beamtengehälter steigen im Schnitt um drei Prozent
02.12.2021 9 1
REGIERUNGSUMBILDUNG
Nehammer wird Kanzler und baut Regierung massiv um
Update vor 20 Minuten 10 13
2 Kommentare
Kommentar schreiben
wartl
04.10.2021, 19:15 Uhr
Die KöSt (Besteuerung der Kapitalreserven) ist ein Unfug und gehört durch eine Besteuerung der entnommenen, nicht reinvestierten Gewinne ersetzt. Auch wenn andere Staaten den nämlichen Blödsinn betreiben, bleibt es ein Blödsinn.
antworten
2
0

melden
Mag. Manuel Leitgeb05.10.2021, 09:28 Uhr
@wartl
Da haben Sie vollkommen Recht, aber leider wird das der Staat nicht machen, da der entnommene Gewinn nur einen Bruchteil der gesamten Gewinne ausmacht und daher sehr viel Steuergeld nicht mehr lukriert würde.

Die Politiker wollen in ihrer Gier die Kuh zwar melken, es … mehr
1
0

melden
zur Startseite
Nehammer wird Kanzler und baut Regierung massiv um
E-PAPER
für alle Endgeräte
JETZT TESTEN
ABOS
immer bestens informiert
JETZT WÄHLEN
NEWSLETTER
täglich informiert
JETZT ABONNIEREN

Impressum Kontakt AGBDatenschutz Cookie-Policy
Wiener Zeitung Gruppe: Unternehmen​Mediasales Jobs Redaktion​Redaktionsstatut​English Information about WZ Aboangebote
Unterstützen Sie Qualitätsjournalismus mit Ihrer Zustimmung
Bitte stimmen Sie der Verwendung von Analyse- und Marketing-Cookies auf der Webseite der Wiener Zeitung zu. Damit helfen Sie uns, unsere Webseite zu verbessern und wir können Ihnen damit für Sie zugeschnittene Werbung präsentieren. Ihre Zustimmung können Sie jederzeit in den Cookie Einstellungen (Sie finden am linken unteren Bildschirmrand ein hellblaues Schild.) widerrufen.

Analyse- und Marketing-Cookies sind technisch nicht erforderliche Cookies, die nur aufgrund Ihrer Zustimmung in Ihrem Endgerät gespeichert werden dürfen. Durch die Bestätigung des Buttons „Cookies akzeptieren“ erteilen Sie uns Ihre Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies. Sie können auch die Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies mit dem Button "Alle ablehnen" bzw. über die „Cookie Einstellungen“ verweigern.

Mit Hilfe von Cookies verarbeitete personenbezogene Daten werden von der Wiener Zeitung und von Werbepartnern (IAB und IAB-Lieferanten) verarbeitet. Im Rahmen der Verarbeitung erfolgt eine Speicherung von Informationen im Endgerät des Webseitenbesuchers und können die Wiener Zeitung und Werbepartner der Wiener Zeitung auf Informationen im Endgerät, z.B. auf eindeutige Kennungen in Cookies, des Webseitenbesuchers zugreifen. Nähere Informationen zu Cookies und zum Widerruf technisch nicht erforderlicher Cookies finden Sie in unserer Cookie Policy
Ihre Zustimmung bezieht sich auch auf die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Dienstleister in den USA. Nach einer Entscheidung des EuGH gewährleisten die USA kein ausreichendes Datenschutzniveau.
Zu diesen Zwecken verwenden wir Cookies
Genaue Standortdaten verwenden. Geräteeigenschaften zur Identifikation aktiv abfragen. Informationen auf einem Gerät speichern und/oder abrufen. Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen- und Inhaltsmessung, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklung.

StartseitePolitikÖsterreich