PENSIONSGUTACHTEN
Bund muss bis 2026 fünf Milliarden Euro mehr zu Pensionen zuschießen
225
Neue Kommissionsgutachten alarmieren Sozialminister: Mehr Bezieher und höhere Durchschnittspension steigern Kosten.
vom 17.11.2021, 06:45 Uhr | Update: 17.11.2021, 10:46 Uhr
So mancher älterer Österrreicher freut sich schon auf Spaziergänge im Schnee. Die steigenden Ausgaben für die Pensionen bereiten Experten Kopfzerbrechen.
© APAweb / Expa / Johann Groder
22
Karl Ettinger
Redakteur
Wolfgang Mückstein kann sich am heutigen Mittwoch darauf einstellen, dass er von der Opposition als Gesundheitsminister wegen der kritischen Coronalage sein Fett abbekommen wird. Sein Budget steht zu Beginn des zweiten Tages der dreitägigen Budgetdebatte im Nationalrat auf der Tagesordnung.
Mehr zu diesem Thema
Pensionszuckerln kosten 900 Millionen Euro extra
03.11.2021 29 11
Konflikt um Pensionskosten: "Wir sind nicht die teuren Alten"
19.10.2021 17 8
Chef der Pensionskommission geht aus Protest
20.09.2021 49 16
Kaum in Zahlen gegossene Gleichstellung
17.11.2021 11 4
Nationalrat beschloss Budget 2022
18.11.2021
Beamte fangen Anstieg bei Pensionskosten ab
25.11.2021 24 1
Die neuen mittel- und langfristigen Gutachten der Alterssicherungskommission der Bundesregierung, die der "Wiener Zeitung" vorliegen, sind allerdings in seinem Nebenjob als Sozialminister ebenso alarmierend. Die notwendigen Bundesmittel allein für die gesetzliche Pensionsversicherung (Arbeitnehmer, Selbstständige, Bauern) schnellen demnach innerhalb von fünf Jahren um 5,2 Milliarden auf 16,4 Milliarden Euro im Jahr 2026 nach oben.
Links
Alterssicherungskommission
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.
Kommission tagt am 30. November
Am 30. November wird sich die Pensionskommission mit diesen Gutachten befassen, in denen die Pensionsentwicklung bis 2026 sowie langfristig bis 2070 in der gesetzlichen Pensionsversicherung und auch bei den Beamtenpensionen analysiert wird. Der Kommissionsvorsitzende und langjährige Ex-Sektionschef sowie Kurzzeit-Sozialminister Walter Pöltner hat bereits angekündigt, dass er sich aus Protest gegen die Aushöhlung des Versicherungsprinzips durch jährlich gestaffelte Pensionserhöhungen mit Ende 2021 aus dieser Funktion zurückziehen wird. 
Die Gutachten enthalten starken Tobak, auch wenn seit längerem mit deutlich steigenden Zuschüssen aus dem Budget zu den Pensionen gerechnet wird. Die Steigerung um 5,2 Milliarden Euro von 2020 bis 2026 macht laut dem vorliegenden Entwurf zum Gutachten satte 46,3 Prozent aus.
Dazu kommen laut Prognose allein für die Beamtenpensionen, die erst zum zweiten Mal von der Kommission begutachtet werden, weitere 14,6 Milliarden Euro im Jahr 2026. Macht in Summe laut Prognose satte 31 Milliarden Euro an Aufwendungen aus dem Bundesbudget für die Pensionen statt bisher zusammen 24,2 Milliarden Euro.
Das ohne Tabellen fast 140 Seiten umfassende Prognosepapier zur gesetzlichen Pensionsversicherung zeigt auch auf, warum die Bundesmittel auf 16,4 Miliarden Euro bis 2026 steigen werden. "Eine Herausforderung für die Finanzierung wird vielmehr die Tatsache sein, dass die Beitragsgrundlage mit +16,6% weniger stark wächst als die Durchschnittspension mit +22,6%", wird als ein zentraler Grund angeführt.
Die Durchschnittspension steigt nicht nur wegen der jährlichen Pensionserhöhungen, sondern auch wegen des sogenannten Struktureffekts, wird erläutert. Vereinfacht ausgedrückt: Pensionen von neuen Beziehern sind im Schnitt höher als die Leistungen für jene Menschen, die sterben.
Hacklerfrühpension läuft heuer aus
Die sozial gestaffelten Pensionserhöhungen mit Anhebungen für Bezieher niedrigerer Einkommen über der Teuerungsrate, wie sie auch 2022 kommen, haben die Aufwendungen zusätzlich nach oben getrieben. Dazu kommen zeitweise Vergünstigungen wie die abschlagsfreie Hacklerfrühpension nach 45 Arbeitsjahren mit 62, die seit 2020 offen steht und noch bis Ende dieses Jahres gilt.
Auch die Zahl der Pensionsbezieher geht nach oben. Die Babyboomer der 1950er- und 1960er-Jahre gingen und gehen in den Ruhestand. Der Stand der Pensionen bei Arbeitnehmern, Selbstständigen und Gewerbetreibenden geht laut Gutachten deswegen um gut 200.000 auf 2.625.000 bis 2026 nach oben.
Diese Entwicklung wird gebremst durch den Umstand, dass das Frauenpensionsalter ab 2024 beginnend mit dem Jahrgang 1963 schrittweise um ein halbes Jahr von 60 auf 65 Jahre angehoben und damit bis 2032 an jenes der Männer angeglichen wird. Ab 2028 droht eine Abflachung des Pensionszugangs der Babyboomer. 1963 war die Zahl der Geburten in Östereich mit 135.000 am höchsten. Außerdem werden neben mehr Pensionisten auch noch mehr Pflichtversicherte erwartet.
400 Millionen Euro weniger Beamtenbeiträge
Im mittelfristigen Gutachten zu den Beamtenpensionen wird ein Anstieg der Bezieher bei Bund, Länder und Gemeinden bis 2026 um rund 8300 Personen auf 314.800 prognostiziert. Gleichzeitig sinkt die Zahl der aktiven Beamten, weil es in vielen Bereichen keine Pragmatisierung mehr gibt: Deren Zahl wird demnach um 25.600 auf 145.000 zurückgehen. 
Der Rückgang wirkt sich allerdings negativ auf die Beitragseinnahmen aus. Die Beitragseinnahmen werden demnach 2026 um 400 Millionen Euro pro Jahr auf 2,5 Milliarden Euro sinken. Der Großteil der Aufwendungen für die Beamtenpensionen kommt ohnehin aus dem Bundesbudget.
Schlagworte
Pensionsgutachten​Budget​Bundesmittel​Pensionzuschuss​Beamtenpension​Kommission​Walter PöltnerNews
22
Weiterlesen in Österreich
TESTEN
Großteil der Schul-PCR-Testergebnisse pünktlich
Update vor 4 Minuten
MASKENPFLICHT
Abermals Kickls Auslieferung beantragt
18.01.2022 5 1
IMPFPFLICHT
Mehr Flexibilität auf Kosten der Klarheit
17.01.2022 5 20
PANDEMIE
SPÖ stimmt Impfpflicht im Ausschuss geschlossen zu
17.01.2022 12 16
5 Kommentare
Kommentar schreiben
kkika
17.11.2021, 20:32 Uhr
Der Staat zahlt bei den Beamtenkeine Arbeitgeberbeiträge - dhaer auch die enormen Zuzahlungen.
antworten
2
0

melden
archibald17.11.2021, 10:17 Uhr
"Bund" klingt ja gut .Gemeint ist der Fundus der Steuerzahler, die die inzwischen enorme Staatsverschuldung finanzieren. Und das sind nicht Konzerne/Großunternehmen.Das ist der inAT steuer-und abgabengeschröpfte Mittelstand incl. gut pensionierten Menschen,die keinerlei Rückflümehr
antworten
2
0

melden
argosfilmfan17.11.2021, 10:04 Uhr
Das Problem, der Generationenvertrag, den keiner von den braven Pensionseinzahlern jemals zu lesen bekommen, geschweige den unterschrieben hat!
Pensionsreformen sind immer nur für die Jüngeren zu ihrem Schaden vereinbart worden. Wir bezahlen also immer noch Pensionäre mit fast … mehr
antworten
0
6

melden
Otto17.11.2021, 17:50 Uhr
100% vom letzten Aktivgehalt gibt es schon lange nicht mehr.
2
0

melden
EinEchterDemokrat17.11.2021, 08:39 Uhr
Dazu kommen zeitweise Vergünstigungen wie die abschlagsfreie Hacklerfrühpension nach 45 Arbeitsjahren mit 62, die seit 2020 offen steht und noch bis Ende dieses Jahres gilt.
- - - - - - - - - - -
Das sind die Menschen, die
- am längsten ins System eingezahlt haben
- … mehr
antworten
5
0

melden
zur Startseite
Roberta Metsola ist neue Präsidentin des EU-Parlaments
E-PAPER
für alle Endgeräte
JETZT TESTEN
ABOS
immer bestens informiert
JETZT WÄHLEN
NEWSLETTER
täglich informiert
JETZT ABONNIEREN

Impressum Kontakt AGBDatenschutz Cookie-Policy
Wiener Zeitung Gruppe: Unternehmen​Mediasales Jobs Redaktion​Redaktionsstatut​English Information about WZ Aboangebote
Unterstützen Sie Qualitätsjournalismus mit Ihrer Zustimmung
Bitte stimmen Sie der Verwendung von Analyse- und Marketing-Cookies auf der Webseite der Wiener Zeitung zu. Damit helfen Sie uns, unsere Webseite zu verbessern und wir können Ihnen damit für Sie zugeschnittene Werbung präsentieren. Ihre Zustimmung können Sie jederzeit in den Cookie Einstellungen (Sie finden am linken unteren Bildschirmrand ein hellblaues Schild.) widerrufen.

Analyse- und Marketing-Cookies sind technisch nicht erforderliche Cookies, die nur aufgrund Ihrer Zustimmung in Ihrem Endgerät gespeichert werden dürfen. Durch die Bestätigung des Buttons „Cookies akzeptieren“ erteilen Sie uns Ihre Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies. Sie können auch die Zustimmung zu allen technisch nicht erforderlichen Cookies mit dem Button "Alle ablehnen" bzw. über die „Cookie Einstellungen“ verweigern.

Mit Hilfe von Cookies verarbeitete personenbezogene Daten werden von der Wiener Zeitung und von Werbepartnern (IAB und IAB-Lieferanten) verarbeitet. Im Rahmen der Verarbeitung erfolgt eine Speicherung von Informationen im Endgerät des Webseitenbesuchers und können die Wiener Zeitung und Werbepartner der Wiener Zeitung auf Informationen im Endgerät, z.B. auf eindeutige Kennungen in Cookies, des Webseitenbesuchers zugreifen. Nähere Informationen zu Cookies und zum Widerruf technisch nicht erforderlicher Cookies finden Sie in unserer Cookie Policy
Ihre Zustimmung bezieht sich auch auf die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Dienstleister in den USA. Nach einer Entscheidung des EuGH gewährleisten die USA kein ausreichendes Datenschutzniveau.
Zu diesen Zwecken verwenden wir Cookies
Genaue Standortdaten verwenden. Geräteeigenschaften zur Identifikation aktiv abfragen. Informationen auf einem Gerät speichern und/oder abrufen. Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen- und Inhaltsmessung, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklung.

StartseitePolitikÖsterreich