NAHOST
Hunderte Verletzte bei Zusammenstößen in Ost-Jerusalem
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Polizisten feuerten Blendgaranten auf Steine werfende Palästinenser ab. Internationale Kritik an geplanter Zwangsräumung der Wohnungen von Palästinensern.
vom 10.05.2021, 07:19 Uhr | Update: 10.05.2021, 11:20 Uhr
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Verletzte Palästinenser nach einer Auseinandersetzung nahe der Al-Aqsa-Moschee am Tempelberg.
© afp / Ahmad Gharabli
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Bei schweren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften in Ost-Jerusalem sind am Montag 215 Menschen verletzt worden. Nach Angaben des palästinensischen Roten Halbmonds wurden etwa 150 Menschen ins Krankenhaus eingeliefert. Hunderte Menschen warfen auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Sharif/Das edle Heiligtum) in der Nähe der Al-Aqsa-Moschee Gegenstände auf die Sicherheitskräfte, diese reagierten mit Blendgranaten, Gummigeschoßen und Tränengas.
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Eine Polizeisprecherin erklärte, die Polizei werde es nicht zulassen, dass "Extremisten" die öffentliche Sicherheit gefährdeten. Israel begeht am Montag den Jerusalem-Tag. Das Land feiert damit die Eroberung des arabischen Ostteils von Jerusalem einschließlich der Altstadt während des Sechstagekriegs 1967. Aus Sorge vor Gewalt hatte die israelische Polizei Juden am Montag verboten, bei Flaggenmärschen durch die Altstadt auch den Tempelberg zu besuchen. Zudem hat der Chef der rechtsextremen Partei Religiöser Zionismus, Bezalel Smotritch, für Montag einen Besuch im Stadtteil Sheikh Jarrah angekündigt, der in den vergangenen Tagen Schauplatz der Auseinandersetzungen war. Dabei wird mit weiterer Gewalt gerechnet.
Drittheiligste Stätte im Islam
Die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt. Bei heftigen Zusammenstößen waren in Jerusalem schon seit Freitag rund 300 Palästinenser und rund 20 Polizisten verletzt worden.
Die tagelangen Proteste hatten im Viertel Sheikh Jarrah, ihren Ausgang genommen, weil dort 30 Palästinenser mit der Zwangsräumung ihrer Wohnungen rechnen müssen. Ein für Montag geplanter Gerichtstermin zu den Zwangsräumungen wurde am Sonntag verschoben.
UNO tief besorgt
UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich am Sonntagabend "tief besorgt" wegen der Gewalt und den drohenden Zwangsräumungen von palästinensischen Häusern. Kritik kam auch vom engsten internationalen Verbündeten Israels. Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, äußerte gegenüber seinem israelischen Kollegen Meir Ben Shabbat "ernste Bedenken" wegen mit den Räumung in Zusammenhang stehender Baupläne.
Anlässlich der Zwangsräumungen kam es am Wochenende zu massiven Ausschreitungen. - © afp / Abbas Momani
Zuvor hatte sich auch der jordanische König Abdullah II. eingeschaltet. In einem Telefonat mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas habe der König "die israelischen Verstöße und die Praktiken, die zur Eskalation rund um die Al-Aqsa-Moschee führten, verurteilt", teilte das Königshaus in Amman am Sonntagabend mit. Jordanien ist Hüter der heiligen Stätten in Ost-Jerusalem. Abdullah II. kritisierte demnach auch die "Provokationen gegenüber den Bewohnern von Jerusalem, die gegen Völkerrecht und die Menschenrechte" verstießen. Zudem wies er "die Versuche der israelischen Behörden" zurück, "die demografische Lage in Ost-Jerusalem zu verändern". Gemeint ist der israelische Siedlungsbau im arabischen Ostteil der Stadt, den Israel im Jahr 1967 erobert und 13 Jahre später annektiert hatte. Der Geschäftsträger der israelischen Botschaft in Amman wurde am Sonntag aus Protest ins jordanische Außenministerium zitiert.Hussein al-Sheikh, ein Berater von Palästinenserpräsident Abbas, kritisierte die "Erstürmung" des Tempelberg-Geländes durch die israelische Polizisten. Die Palästinenserführung halte sich alle Optionen offen, um darauf zu reagieren.
Der UNO-Sicherheitsrat will sich noch am Montag auf Antrag Tunesiens mit der Gewalt in Jerusalem befassen. Alle sechs arabischen Länder, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten - neben Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und der Sudan - verurteilten das israelische Vorgehen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verteidigte die Sicherheitsbehörden: "Wir werden Recht und Ordnung aufrechterhalten", sagte er am Sonntag.
Schallenberg: Brandgefährliche Situation
"Die Situation ist brandgefährlich und sehr volatil", warnte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) am Montag vor einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen. "Wir alle sind dazu aufgerufen zu schauen, dass die Situation nicht überkocht, sondern dass wir beruhigend wirken", so Schallenberg. Die EU habe "sehr gute Gesprächskanale auf beiden Seiten, wir haben auch das Vertrauen beider Seiten".
Auf einer Straße am Rande der Altstadt von Jerusalem kam es am Montagvormittag zu einem Zwischenfall: Ein israelischer Autofahrer rammte mit seinem Auto einen Palästinenser, nachdem sein Fahrzeug von einer Gruppe von Palästinensern mit Steinen beworfen worden war. Die israelische Polizei teilte mit, der Mann habe die Kontrolle über das Auto verloren. Anschließend wurde der Fahrer von einer Menge attackiert. Ein israelischer Polizist schoss in die Luft und zwang die Palästinenser, von ihm abzulassen.
Unruhen am Wochenende
Bereits am Sonntagabend hatten militante Palästinenser wieder einmal vom Gazastreifen aus Raketen in Richtung Israel abgeschossen - vier an der Zahl. Außerdem wurden Spreng- und Brandballons über die Grenzanlage geschickt. Israelische Panzer beschossen daraufhin Stützpunkte der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas-Bewegung. Israel schloss zudem den Eretz-Grenzübergang zu dem Palästinensergebiet. Ebenfalls am Sonntagabend hatte Israel bereits die Fischereizone vor dem Gazastreifen bis auf weiteres geschlossen. Die Hamas hat sich mit den Menschen in Jerusalem solidarisch erklärt. Bei Ramadan-Gebeten auf dem Tempelberg waren zuletzt auch Hamas-Flaggen geschwenkt worden. (apa, afp, dpa)
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7 Kommentare
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Isabel Schnabel
11.05.2021, 07:58 Uhr
Martin W. das ist es ja: Das Gericht zögert mit seiner Aussprache! Israel sucht immer weitere Auswege um Ost-Jerusalem auch in seine Hände zu bekommen. Da ist jedes Mittel recht. Es ist ja interessant, das nicht alle Richter mit der Israel Anexations Politik mitgehen.
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Isabel Schnabel
10.05.2021, 13:21 Uhr
Herr Datengräber: wenn also IHR Haus gefordert wird wegen Veränderung der Stadtplanung - dann verlassen sie ihr Eigentum auch freiweg?
Ost-Jerusalem war und ist palestinisches Grundgebiet.
Es ist eine reine Netanyahu-Politiek, eine Politik der Nationalisten und hysterischen … mehr
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Martin W.
10.05.2021, 12:30 Uhr
seltsam: auch in diesem artikel kann ich wieder nicht finden, warum da jemand "zwangsgeräumt" werden soll. offensichtlich nach einem ordentlichen gerichtsverfahren. macht man sich die mühe, nach internationalen brichten dazu suchen, statt sich auf seine hauszeitung zu verlassen, … mehr
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Pee
10.05.2021, 10:26 Uhr
Für sämtliche Probleme sind die Palästinenser selber verantwortlich, gehen diese aber mit steten Verweis auf Israel nie an.
So haben sich die Palästinenser in den vergangenen Jahren in eine immer schlechter werdende Verhandlungsposition begeben. Was man insbesondere an den sich … mehr
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Isabel Schnabel
10.05.2021, 09:21 Uhr
Wieder sollen vier Palestinensische Familien von Israelische ultra-orthodoxen Kolonisten aus ihren Häusern vertrieben werden.
Israel führt sowohl auf der West-Bank als auch in Ost-Jerusalem eine etnische Saeunberung durch.
Ost-Jerusalem ist Palestinisches Grundgebiet. Heute … mehr
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Max Meiermann11.05.2021, 12:43 Uhr
Richtig! Juden dürfen die Grundstücke "zurückverlangen" .- ABER dieses Recht haben im Gegenzug Araber nicht! Genau das macht die Ungerechtigkeit der Israeli aus!
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