TALIBAN-ANGRIFFE
Afghanistan vor "existenzieller Krise"
1
1
Die US-Behörde Sigar zeichnet in ihrem aktuellen Bericht ein düsteres Bild.
vom 29.07.2021, 11:28 Uhr | Update: 29.07.2021, 12:06 Uhr
Wachposten der Afghanischen Nationalarmee in Herat.
© afp / Hoshang Hashimi
1
Die afghanische Regierung steht einem US-Behördenbericht zufolge wegen zunehmender Angriffe der Taliban vor einer "existenziellen Krise". Laut einem am Donnerstag veröffentlichen Bericht der US-Generalinspektion für den Wiederaufbau Afghanistans (Sigar) hat sich die Zahl der Taliban-Angriffe sei dem Abkommen von Doha über einen US-Truppenabzug verdoppelt.
Die Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump hatte im Februar 2020 in Doha ein Abkommen mit den Taliban geschlossen, um den längsten Kriegseinsatz der US-Geschichte zu beenden. Dabei setzten die USA auf Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung. Diese Gespräche blieben jedoch bis heute ohne greifbares Ergebnis, während die USA ihren Truppenabzug planmäßig starteten und bis Ende August abschließen wollen. Gleichzeitig gingen die Islamisten in die Offensive.
Immer mehr Angriffe, immer mehr Tote
Laut dem Sigar-Bericht stieg die Zahl der von den radikalislamischen Taliban verübten Angriffe von 6.700 in einem Drei-Monats-Zeitraum Anfang 2020 auf 13.242 zwischen September und November vergangenen Jahres. Seither liege die Zahl in jedem folgenden Drei-Monats-Zeitraum bei mehr als 10.000.
Auch die Zahl der Todesopfer nahm deutlich zu: Zwischen Jänner und März 2020 wurden laut dem Bericht 510 Zivilisten getötet. Im dritten Quartal 2020 stieg diese Zahl auf 1.058. Die jüngsten Daten zeigten allein für April und Mai dieses Jahres 705 zivile Todesopfer.
Die afghanische Regierung stehe vor einer "existenziellen Krise", wenn dieser Trend nicht umgekehrt werde, sagte der Generalinspekteur John Sopko. Im Gegensatz zum "verbreiteten Überoptimismus" biete der Bericht ein ernüchterndes Bild. "Die Nachrichten, die in diesem Quartal aus Afghanistan kommen, sind düster", fasst der Bericht zusammen.
Parallel zum rasch fortschreitenden Abzug der US- und anderer NATO-Truppen aus Afghanistan hatten die Taliban in den vergangenen Monaten große Teile des Landes erobert. Die afghanische Armee sei "überrascht und unvorbereitet" gewesen und befinde sich jetzt in der Defensive, hieß es in dem Bericht. Besonders besorgniserregend sei das Tempo, mit dem die Aufständischen auch Provinzen im Norden des Landes eingenommen hätten, traditionell eine Hochburg von Taliban-Gegnern.
Mittlerweile kontrollieren die Islamisten rund die Hälfte der etwa 400 Bezirke Afghanistans. Beobachter befürchten, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der internationalen Truppen wieder vollends die Macht am Hindukusch übernehmen könnten. Indes sind seit dem Abzug verstärkte Flüchtlingsbewegungen aus Afghanistan in Richtung Nachbarregionen und Europa zu verzeichnen. (apa/afp)
Schlagworte
Taliban-Angriffe​Afghanistan​Sigar
1
Weiterlesen in Welt
UNO-VOLLVERSAMMLUNG
Lawrow bestätigt Kontakt Malis zu "privater Militärfirma aus Russland"
25.09.2021 4 2
BUNDESTAGSWAHL
Starkes Deutschland, schwaches Deutschland
24.09.2021 7 4
NEW YORK
Eine Mauer gegen die Flut
24.09.2021 5 4
BUNDESTAGSWAHL
EU wirft Russland vor Wahl in Deutschland gezielte Cyberangriffe vor
24.09.2021 17 5
1 Kommentare
Kommentar schreiben
zeuss29.07.2021, 13:02 Uhr
Als Atheist kann man nur noch schreiben. Herr lass doch bitte etwas Wissen auf die Menschheit herrab, man ist inzwischen auch mit Stückchenweise zufrieden. Sinnlos u Hoffnungslos, denn wer hätte was anderes erwartet, als Bildungsferne Menschen
antworten
1
0

melden
zur Startseite
Ein Sieg der Mitte in Deutschland
E-PAPER
für alle Endgeräte
JETZT TESTEN
ABOS
immer bestens informiert
JETZT WÄHLEN
NEWSLETTER
täglich informiert
JETZT ABONNIEREN

Impressum Kontakt AGBDatenschutz Cookie-Policy
Wiener Zeitung Gruppe: Unternehmen​Mediasales Jobs Redaktion​Redaktionsstatut​English Information about WZ Aboangebote
Unterstützen Sie Qualitätsjournalismus mit Ihrer Zustimmung


Mit Hilfe von Cookies verarbeitete personenbezogene Daten werden von der Wiener Zeitung und von Werbepartnern (IAB und IAB-Lieferanten) verarbeitet. Im Rahmen der Verarbeitung erfolgt eine Speicherung von Informationen im Endgerät des Webseitenbesuchers und können die Wiener Zeitung und Werbepartner der Wiener Zeitung auf Informationen im Endgerät, z.B. auf eindeutige Kennungen in Cookies, des Webseitenbesuchers zugreifen. Nähere Informationen zu Cookies und zum Widerruf technisch nicht erforderlicher Cookies finden Sie in unserer Cookie Policy
Ihre Zustimmung bezieht sich auch auf die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Dienstleister in den USA. Nach einer Entscheidung des EuGH gewährleisten die USA kein ausreichendes Datenschutzniveau.
Zu diesen Zwecken verwenden wir Cookies
Genaue Standortdaten verwenden. Geräteeigenschaften zur Identifikation aktiv abfragen. Informationen auf einem Gerät speichern und/oder abrufen. Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen- und Inhaltsmessung, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklung.

StartseitePolitikWelt