FUTURE ETHICS
Reizthema Reichtum
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Ist es ungerecht, ein Millionenvermögen zu erben, ohne dafür gearbeitet zu haben?
vom 16.09.2021, 17:20 Uhr | Update: 07.10.2021, 15:20 Uhr
"Stiften, Spenden, Steuern zahlen" - rund um das Thema Reichtum diskutierte am Mittwochabend "Wiener Zeitung"-Chefredakteur Walter Hämmerle mit der Germanistikstudentin und Pharma-Erbin Marlene Engelhorn, der WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger und dem Ökonomen und Psychotherapeuten Martin Schürz (v. l. n. r.).
© Wiener Zeitung
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Fast 40 Prozent des Vermögens im Land sind im Besitz von lediglich einem Prozent der Österreicher. Weltweit ist die Ungleichheit in der Verteilung von Vermögen noch deutlicher. Dieses Phänomen ist zwar nicht neu, in den vergangenen Jahren und nicht zuletzt auch durch Corona hat es sich aber verstärkt. Während das Vermögen der Milliardäre 2020 nach Schätzungen des US-Magazins "Forbes" um ein Fünftel zugelegt hat, kämpfen weltweit viele Menschen mit Arbeitsplatzverlust und Armut.
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Vor diesem Hintergrund hat die "Wiener Zeitung" Mittwochabend im Rahmen ihrer Talk-Reihe "future ethics" zu einer von ihrem Chefredakteur Walter Hämmerle moderierten Diskussionsveranstaltung rund um das Thema Vermögen und Reichtum geladen. Unter der Überschrift "Stiften, Spenden, Steuern zahlen - Geld und soziale Verantwortung" ging es dabei etwa um die Frage, wie Gesellschaften mit ihren Reichen umgehen sollen, aber auch darum, ob die Familie ein Hindernis für eine gerechte Vermögensverteilung ist.

Für den Wiener Ökonomen und Psychotherapeuten Martin Schürz, Autor des Buches "Überreichtum", ist jedenfalls das Erben "der Schlüssel in der Frage der Vermögensakkumulation". Und deswegen sei "die Bevorzugung von Familien - und die hat man bei den Steuersätzen fast überall - ein Problem", wie er betonte. "Das sollte nicht sein." Wer sich für Familien ausspreche, sei "beim Erbgeschehen im Vermögensbereich für reiche Familien", gab Schürz zu bedenken. "Das sollte man dann benennen, weil in den armen Familien wird ja nichts vererbt."
Die aus reichem Haus stammende Wiener Germanistikstudentin Marlene Engelhorn empfindet es als "ungerecht", dass sie eines Tages einen Millionenbetrag erben wird. "Ich habe für mein Erbe keinen Tag gearbeitet und zahle keinen Cent dafür", erklärte sie dazu. Da es hierzulande keine Erbschaftssteuer gibt, will die "Pharma-Erbin" 90 Prozent ihres künftigen Vermögens spenden. Damit hat sie im vergangenen Frühjahr für öffentliches Aufsehen gesorgt. In der Diskussion bekräftigte Engelhorn ihre Kritik, wonach das Vermögen in Österreich ungleichmäßig verteilt sei und Menschen wie sie für ihr Vermögen rein gar nichts tun müssten.
Indes beklagte Edeltraud Hanappi-Egger, Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien, dass es der wissenschaftliche Diskurs zur Verteilung von Vermögen nicht in die politischen Entscheidungsgremien schaffe. Den Grund sieht sie in der dortigen "Kommunikation und Diskussion", die "sehr stark machtkonzentriert und wahltaktisch" sei. Das Problem, das sich aus Hanappi-Eggers Sicht daraus ergibt: "Wir kommen nicht wirklich in die Umsetzungsdiskussion, selbst wenn es die entsprechenden Vorschläge gibt, wie man zu einer besseren Verteilung von Vermögen kommt." (red.)
Schlagworte
Future Ethics​Reichtum​Spenden​News
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7 Kommentare
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Harro17.09.2021, 11:43 Uhr
Einzig ungerecht wäre es, wenn für den gleichen Einsatz ungleich entlohnt wird. Reichtum, Vermögen und Erben haben mit Gerechtigkeit aber wirklich nichts zu tun. Die Fragestellung ergibt sich vielmehr allein aus dem schnöden Neid.
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Holger17.09.2021, 10:55 Uhr
Der wesentliche Punkt ist die Frage ob eine höhere Erbschaftssteuer anstelle der bestehenden Steuern, oder auf die bereits horrenden Steuern aufgesetzt werden soll.

In Westeuropa sind Staatsquoten um 50% üblich. Arbeitnehmer bleibt selten mehr als 1/2 zur eigenen Verfügung. Mit … mehr
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Ralf-Raigo Schrader17.09.2021, 07:50 Uhr
'Ist es ungerecht, ein Millionenvermögen zu erben, ohne dafür gearbeitet zu haben?'
Die Frage ist eine Fehlverwendung der Kategorie Gerechtigkeit. Erben hat keinen Bezug zu Gerechtigkeit.
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saubertl16.09.2021, 21:24 Uhr
Ich bin nach wie vor für die Änderung des gesamten Steuersystems. So wie es Prof. Dr. Bruckmann schon 1988 im Buch die Megatrends für Österreich (ISBN 3 8000 3303 8) niederschrieb. Der Verdacht er könnte ein "Linker" sein wird durch seinen Lebenslauf (ÖVP Abgeordneter im … mehr
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cogito
16.09.2021, 20:14 Uhr
Habe ein Interview mit Marlene Engelhorn zumindest teilweise mitverfolgt.

Sie klang ehrlich, uneitel und intelligent.

Nachdem ich einige Zeit darüber nachgedacht habe, wurde ich stutzig.

Müsste Frau Engel nicht gewaltigster Sturm von ihrer Schicht entgegenwehen?

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